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Der Alltag im Leben (stark) übergewichtiger Menschen ist ein Parcours grausamer Ratschläge. Die ganze Welt scheint ausschließlich aus Fachleuten für die Themen Sport, Ernährung und Abnehmen zu bestehen – und deren gut gemeinte Tipps zeigen Wirkung: Sie tun weh. Denn fast immer haben sie eins gemeinsam: wenig Ahnung, fehlende Empathie und kein echtes Wissen über die wahren Ursachen von Adipositas und wie man sie behandeln kann. 

Es ist Zeit für eine öffentliche Diskussion. Im Alltag, in unseren Familien, in Büros und Arztpraxen, in Bars und im TV-Talk. Überall! Lasst uns über Gewicht reden – und darüber WIE man über Gewicht redet. Und das immer im Hinblick auf eine ganz persönliche Betrachtung der Situation Betroffener und deren ganz individuelle Behandlung von Adipositas. 

ECHT JETZT? will etwas verändern. Wir wollen damit eine Diskussion starten. Deshalb sind wir laut und provokant und kommunizieren ungeschönt die Botschaften, die Übergewichtige sich anhören müssen. Um uns darüber hinaus zu erklären, verbreiten wir zwei Manifeste. Das erste ist ein Hört-auf-damit-Aufruf an uns alle. Das zweite eine Botschaft an Betroffene, die Schuld nicht bei sich zu suchen, sondern sich zu informieren, was die eigentlichen Ursachen für ihre Adipositas sein könnten.

WISSEN UND WIRKEN:
DRIVING CHANGE IN OBESITYTM

Adipositas ist eine globale Pandemie.

Weltweit sind über 650 Millionen Menschen betroffen.1

Adipositas kann mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen einhergehen und die Lebenserwartung reduzieren.2,3

Menschen mit Adipositas sind in ihrem täglichen Leben mit Vorurteilen und Stigmatisierung konfrontiert.4

Wir bei Novo Nordisk sind uns all dieser Fakten bewusst – und haben uns deshalb einen eigenen Haltungskodex auferlegt. Wir nennen ihn: DRIVING CHANGE IN OBESITY™.

Novo Nordisk verpflichtet sich, das Leben von Menschen mit Adipositas nachhaltig zu verbessern. Mit DRIVING CHANGE IN OBESITY wollen wir die Art und Weise verändern, wie Adipositas vorgebeugt, wahrgenommen und behandelt wird.

Wir arbeiten daran, ein gesundheitsfreundliches Umfeld zu schaffen. Denn Prävention ist der erste Schritt, die Adipositas-Pandemie anzugehen.

Wir setzen uns dafür ein, das Verständnis für Adipositas zu erhöhen und die Erkrankung zu einer Priorität im Gesundheitswesen zu machen.

Wir wollen dazu beitragen, dass Menschen mit Adipositas Zugang zu wissenschaftlich fundierter und umfassender Versorgung erhalten.

VERÄNDERUNG DURCH HANDELN

Unser Engagement umfasst:

  • Die Erforschung und Entwicklung neuer Arzneimittel.
  • Maßnahmen zur Prävention und Aufklärung über Adipositas.
  • Unterstützung von Patient:innen und deren Interessen.

Referenzen
1. World Health Organization. Obesity and Overweight Fact Sheet no. 311. Verfügbar unter: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs311/en/, zuletzt abgerufen: September 2019.
2. Whitlock G et al. Lancet. 2009;373(9669):1083–1096.
3. World Health Organization. Global health risks: mortality and burden of disease attributable to selected major risks. World Health Organization 2009. 
4. Puhl RM, Heuer CA. The stigma of obesity: a review and update. Obesity. 2009;17(5):941–964.

GEHT’S NOCH?

Bei der Arbeit, auf der Party oder im Kreis der Familie: Der nächste gute Rat steht immer schon bereit. Wir sammeln eure Geschichten für kommende Aktionen und weitere Motive, damit unsere Aktion weitergeht! 

Lass es raus: Schick uns den schlimmsten Satz oder Ratschlag, den du je hören musstest an: adipositas@novonordisk.com.

 

ANTWORTEN AUF FRAGEN, DIE VIEL ZU SELTEN
GESTELLT WERDEN

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, mit der weltweit immer mehr Menschen leben. Wahrnehmung und Therapie der Erkrankung haben sich in den letzten Jahren verbessert. Inzwischen haben Betroffene zwar die Möglichkeit, gemeinsam mit spezialisierten Ärzt:innen oder Adipositaszentren Therapiepläne zur Behandlung ihrer Erkrankung zu entwickeln, jedoch ist es häufig noch schwer, die passenden Expert:innen zu finden.

Starkes Übergewicht und Adipositas werden gesellschaftlich oft noch immer als Lifestyle-Probleme gesehen und behandelt. Obwohl die WHO Adipositas bereits im Jahr 2000* als Krankheit anerkannt hat, folgte in Deutschland der Bundestag erst im Jahr 2020. Auch ein Disease-Management-Programm (DMP) Adipositas, das 2023 aufgesetzt wurde, ist ein wichtiger Schritt, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Trotzdem wird Adipositas häufig als selbstverschuldetes Problem angesehen: Betroffene erhalten im Familienkreis, von Bekannten, aber auch Fremden wohlgemeinte Ratschläge, werden am Arbeitsplatz diskriminiert oder sogar in der ärztlichen Praxis nicht ernst genommen und bevormundet. Diese Stigmatisierung muss enden. 

*World Health Organization. Regional Office for Europe. WHO European Regional Obesity: Report 2022.

Wir wollen aufklären und nicht nur den Menschen mit Adipositas, sondern auch der Gesellschaft helfen, Adipositas (besser) zu verstehen. Hier unsere klugen Antworten auf viele der eher nicht so klugen ungefragten Fragen und Ratschläge – unsere „Answers Not Asked For”, kurz ANAF. 

Mit Disziplin kann jede:r abnehmen.

Das ist leichter gesagt als getan – und eigentlich weiß das auch fast jede:r. Und wir reden hier, wie gesagt, von einer Erkrankung! Starke Gewichtsabnahme ist für viele Betroffene, auch aus physiologischen Gründen, nicht ohne Hilfe zu schaffen. Übergewicht kann so viele verschiedene Ursachen haben – wie familiäre Veranlagung, genetische Ursachen oder stoffwechselbedingte Erkrankungen –, die auch „mit etwas Disziplin“ nicht adressierbar ​​sind.

Wie wäre es denn mal mit ‘ner Diät?

Again: Adipositas ist eine chronische Erkrankung und bedarf einer andauernden und nachhaltigen Behandlung. Kurzfristige Maßnahmen wie Diäten sind für eine nachhaltige Gewichtsabnahme daher praktisch nie wirksam und führen zu dem so genannten Jo-Jo-Effekt. Zur Behandlung der Adipositas gehören verschiedene​ Therapiesäulen, die in der Regel miteinander kombiniert werden: Ernährungsumstellung, Bewegung, Verhaltenstherapie, ggf. ergänzt durch verschreibungspflichtige Medikamente oder chirurgische Eingriffe. Einen passenden Therapieplan sollten Betroffene mit ihren medizinischen Betreuer:innen abstimmen. Übergeordnet geht es beim Therapiemanagement von Adipositas nicht nur um eine Gewichtsabnahme, sondern auch um die Vorbeugung und Behandlung von Folgeerkrankungen sowie die Wiederherstellung eines positiven Körperbilds und ​​Selbstwertgefühls.

Ein Arzt/eine Ärztin kann dir beim Abnehmen nicht helfen – das kannst nur du selbst.

Quatsch! Das Gegenteil ist richtig. Menschen mit Übergewicht dürfen in ihrer Situation nicht allein gelassen werden und sich auch nicht so fühlen. Eine für sie individuell passende Therapie können Betroffene am besten mit einem Arzt/einer Ärztin ihres Vertrauens besprechen, denn hier können neben Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltenstherapie auch medikamentöse Therapien oder chirurgische Eingriffe infrage kommen. Jeder Mensch hat seine persönliche Abnehmreise hinter und vor sich und seine individuellen Erfahrungen fließen in die Wahl der geeigneten Therapie mit ein. Über den Spezialist:innenfinder (www.adipositas-spezialisten.de) lässt sich ein:e Adipositasexpert:in in der Nähe finden.

Reden hilft: In Patient:innenorganisationen können sich Menschen mit Adipositas mit anderen Betroffenen über ihre Krankheit, Alltagsprobleme oder ihre Therapieerfolge in einem geschützten Raum unterhalten. 

Ich würde das ja nicht essen, wenn ich du wäre.

Wir sagen: Lasst das! Es bringt nichts, Menschen mit Übergewicht ein schlechtes Gewissen zu machen. Viele Betroffene haben bereits viele Abnehmversuche hinter sich und wissen, welche Lebensmittel theoretisch gut für sie wären. Betroffene werden im Alltag ohnehin häufig genug aufgrund ihres Äußeren stigmatisiert und ​​diskriminiert.3 Noch schlimmer: Diese Stigmatisierung von außen kann auch zu Selbststigmatisierung führen. Es gibt Belege dafür, dass verinnerlichte Stigmatisierung mit ähnlichen negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit einhergeht. Am Ende bringt das eine regelrechte Spirale ins Laufen.

FDH, Digga! Ich hab’ 5 Kilo abgenommen.

Viele Betroffene haben lange Leidenswege hinter sich und haben bereits unzählige Wunderdiäten ausprobiert, um Gewicht abzunehmen. In einer aktuellen Umfrage geben 48 % der Befragten an, bereits 5 oder mehr (erfolgreiche oder erfolglose) Abnehmversuche hinter sich zu ​​haben.4 In dieser Situation gilt generell: Man kennt die medizinische Historie der Person nicht und sollte daher auch von wohlgemeinten Behandlungsratschlägen absehen. Adipositas kann viele Ursachen haben und sollte als chronische Erkrankung auch durch medizinische Expert:innen ganzheitlich behandelt werden. Oft hilft es chronisch erkrankten Menschen bereits, wenn ihre Erkrankung ernst genommen, ihnen zugehört wird oder sie ggf. auf der Suche nach einem Spezialisten/einer Spezialistin begleitet werden. 

Nimm doch mal die Treppe.

Gewichtsbezogene Kritik oder Verhaltensratschläge wie dieser gehören für Menschen mit Übergewicht leider zum Alltag. Umfragedaten zeigen, dass es viele Menschen mit einer diskriminierenden Haltung gegenüber Menschen mit Übergewicht oder Adipositas gibt: So empfinden 71 % der Befragten Menschen mit starkem Übergewicht als unästhetisch. Jede:r Achte vermeidet sogar bewusst Kontakt zu ​​Betroffenen.3 Hintergrund hierfür kann sein, dass Adipositas noch immer als selbstverschuldetes und Lifestyle-Problem angesehen wird.

Ihre gesundheitlichen Probleme kommen von Ihrem Übergewicht. Sie sollten abnehmen.

Ärzt:innen sind nicht zwangsläufig auch Profis in Empathie und guter Kommunikation. Menschen mit Adipositas erleben auch in der ärztlichen Praxis immer wieder Diskriminierung und Unverständnis für ihre Erkrankung. Sie fühlen sich nicht als Menschen mit einer chronischen Erkrankung ernst genommen. 

Zahlen belegen diese Gefühle: Viele Ärzt:innen sehen Menschen mit Übergewicht als ungeschickt, unattraktiv oder nicht kooperativ an.5,6 ​​​​Über das eigene Übergewicht zu sprechen ist für Patient:innen schwer genug. Behandelnde Ärzt:innen sollten sensibel ins Beratungsgespräch gehen, denn oft suchen die Patient:innen die Praxis zunächst wegen Folgeerkrankungen auf.7 In diesem Fall empfehlen internationale Guidelines, zuerst abzufragen, ob sie sich wohl damit fühlen, über ihr Gewicht zu sprechen. Alternativ ist eine Frage wie „Wie hat sich Ihr Gewicht in letzter Zeit verändert?" geeignet für den Gesprächseinstieg. In spezialisierten Praxen oder Adipositaszentren können Patient:innen mit geschultem Personal rechnen. Der Spezialist:innenfinder (www.adipositas-spezialisten.de) kann dabei helfen, ein:e Adipositasexpert:in in der Nähe zu finden. 

Wenn Du mehr Sport machst, purzeln die Pfunde von allein.

  • Es stimmt, Sport ist gesund. Bewegung hat einen positiven Einfluss auf das Gewicht, den Blutdruck, die Blutfette, den Blutzucker, das Immunsystem und sogar die Stimmung. 

  • Jedoch ist nicht jede Bewegungsform gleich gut geeignet für Menschen mit starkem Übergewicht oder Adipositas. Ein höheres Körpergewicht bedeutet auch eine höhere Belastung der Gelenke. Diese können bei belastenden Sportarten schnell einen Verschleiß erleben mit anschließenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. 

  • Adipositas-Leitlinien empfehlen für Menschen mit einem BMI > 35 kg/m2 Sportarten, die den Bewegungsapparat nicht belasten. Gelenkschonende Sportarten sind Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking oder Yoga. 

Steh doch zu deinem Gewicht! #BodyPositivity

Expert:innen auf dem Gebiet der Essstörungen und Adipositas sehen das Konzept der „Body Positivity“ inzwischen kritisch und plädieren stattdessen für „Body ​​Neutrality“.8 Body Neutrality ist inklusiver, da dabei die Wertschätzung für den eigenen Körper losgelöst von ästhetischen Gesichtspunkten erfolgt. Es geht um einen gesunden Körper. Natürlich ist es wichtig, dass Menschen mit Übergewicht ein positives Körperbild empfinden. Dies darf sie jedoch nicht davon abhalten, sich mit der Behandlung ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen, um etwaige Folgeerkrankungen zu vermeiden. Denn aus medizinischer Sicht geht es nicht allein um die Gewichtsabnahme, sondern um die Eindämmung der damit verbundenen Folgeerkrankungen.

Starkes Übergewicht ist doch gar keine richtige Krankheit.

Falsch. Adipositas ist laut der WHO eine chronische Erkrankung mit „einer über das Normalmaß hinausgehenden Vermehrung des Körperfetts“ und damit einhergehenden gesundheitlichen ​​Folgen.9 Adipositas kann zudem ernst zu nehmende Folgen haben und ist mit 200 Komorbiditäten und Komplikationen assoziiert, etwa mit Typ 2 Diabetes, Herzkrankheiten, Bluthochdruck und bestimmten Arten von Krebs. Bevor ungefragt ein Ratschlag erteilt wird, sollte innegehalten und sich daran erinnert werden, dass man die persönliche Situation und Krankheitsgeschichte der Person womöglich nicht kennt. Und dass auch wohlgemeinte Ratschläge wehtun oder sogar schaden können. 

Tiefer Einblick: DEEP

DEEP ist ein Betroffenen-Netzwerk, das man unbedingt mal näher anschauen sollte. Hier kommen viele Infos und Erfahrungen zusammen, die uns auch bei den Ideen für ECHT JETZT? geholfen haben.

Adipositas korrekt behandeln

Abnehmen ist individuell. Eine Auswahl und Beschreibung der besten Möglichkeiten findest du hier.

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Adipositas hat nicht nur persönliche Auswirkungen auf die Betroffenen, sondern beinflusst auch unsere öffentliche Gesundheit und Wirtschaft. Wie haben wir in hier zusammengefasst. 

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Was bedeutet es, in Deutschland mit Adipositas zu arbeiten? Erfahrungsberichte direkt von Betroffenen in einer anthropologischen Studie übersichtlich zusammengefasst. 

Quellen
  1. Deutsche Adipositas-Gesellschaft e. V. (DAG). S3-Leitlinie Adipositas – Prävention und Therapie. 2014. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001. Letzter Zugriff: 28.11.2023.
  2. Durrer Schutz D, Busetto L, Dicker D et al. European Practical and Patient-Centred Guidelines for Adult Obesity Management in Primary Care. Obes Facts 2019;12(1):40–66.
  3. DAK, forsa Politik- und Sozialforschung GmbH. XXL-Report: Meinungen und Einschätzungen zu Übergewicht und Fettleibigkeit. 2016. Verfügbar unter: https://www.dak.de/dak/download/forsa-studie-xxl-report-2116468.pdf. Letzter Zugriff: 28.11.2023.
  4. Appinio Umfrage 2023, Q4.
  5. Foster GD, Wadden TA, Makris AP et al. Primary Care Physicians’ Attitudes about Obesity and Its Treatment. Obes Res 2003;11(10):1168–1177. doi:10.1038/oby.2003.161.
  6. Puhl RM, Heuer CA. The stigma of obesity: a review and update. Obesity 2009;17(5):941–64. pmid:19165161.
  7. Figure 55 in: Durrer Schutz D, Busetto L, Dicker D et al. European Practical and Patient-Centred Guidelines for Adult Obesity Management in Primary Care. Obes Facts 2019;12(1):40–66.
  8. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Experten plädieren für „Body Neutrality” statt „Body Positivity“ – Wie Körperbilder Adipositas und Essstörungen beeinflussen. September 2023. Verfügbar unter: https://adipositas-gesellschaft.de/experten-plaedieren-fuer-body-neutrality-statt-body-positivity-wie-koerperbilder-adipositas-und-essstoerungen-beeinflussen-wissenschaftlicher-ko/. Letzter Zugriff: 28.11.2023.
  9. World Health Organization. Regional Office for Europe. WHO European Regional Obesity: Report 2022.

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