Adipositas-Leitlinie entdecken
Was sind Adipositas Folgen & Übergewicht Folgen? ✓ Auswirkungen auf den Körper ✓ Soziale & psychische Folgen ✓ ► Mehr zu Folgeerkrankungen!
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Eine Adipositas-Operation – auch bariatrische Operation oder Magen-OP bei Adipositas genannt – kann insbesondere bei sehr starkem Übergewicht helfen, gesundheitlichen Folgen entgegenzuwirken und das Gewicht langfristig zu reduzieren. Sie ist Teil einer langfristigen Behandlung und kommt vor allem dann infrage, wenn Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen allein nicht ausreichend geholfen haben oder wenn eine Operation aus medizinischer Sicht sinnvoll ist. Jedoch ist eine solche OP ein größerer chirurgischer Eingriff. Sie kann Nebenwirkungen wie Verdauungsbeschwerden mit sich bringen und auch mit Risiken verbunden sein, und erfordert eine langfristige Nachsorge. Wir geben dir einen Überblick über Voraussetzungen, Kostenübernahme, Risiken und mögliche Verfahren. Außerdem zeigen wir dir, worauf es vor und nach einer bariatrischen Operation ankommt und was langfristige Auswirkungen sein können.
Eine Adipositas-OP kann als Maßnahme beim Abnehmen eingesetzt werden.
Lebensstiländerungen allein führen oft nicht zum dauerhaften Erfolg. Ein Grund dafür ist, dass der Körper nach einer Gewichtsabnahme oft versucht, das frühere Gewicht wieder zu erreichen, etwa durch veränderte Hunger- und Sättigungssignale und einen geringeren Energieverbrauch1. Eine Adipositas-Operation kann diese Mechanismen beeinflussen und dadurch helfen, das Gewicht langfristig zu reduzieren. Sie ersetzt aber nicht die langfristige Behandlung, sondern ist Teil eines umfassenden Therapiekonzepts.
Eine Adipositas-OP kommt ab einem BMI von 40 kg/m2 infrage oder ab einem BMI von 35 kg/m2, wenn adipositasbedingte Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck vorliegen.2 Vor dem Eingriff sind verschiedene Untersuchungen erforderlich. Außerderm muss im Regelfall eine 6-monatige konservative Behandlung nachgewiesen werden, zum Beispiel mit Ernährungs-, Bewegungs- und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Bei einem BMI von mindestens 50 kg/m2 oder wenn eine rasche Gewichtsreduktion aus medizinischen Gründen besonders dringlich ist, kann im Einzelfall diese Vorbereitungszeit verkürzt werden.3 Um ein besseres Gefühl für die BMI-Einteilung zu bekommen, empfehlen wir dir einen Blick auf unseren Artikel zu den Adipositasgraden.
Es gibt nur wenige klare Kontraindikationen (Ausschlussgründe) für eine Adipositas-Operation. Wichtig ist vor allem die Bereitschaft zur lebenslangen Nachsorge. Dazu gehören je nach Verfahren die regelmäßige Einnahme von Vitaminein und Nährstoffpräparaten sowie die Bereitschaft zu langfristigen Kontrollterminen. Ein Eingriff kommt im Normalfall nicht in Frage, wenn eine Krebserkrankung vorliegt, die sich nicht in Remission befindet.4 Ausnahmen müssen individuell im Behandlungsteam abgewogen werden. Weitere Gründe , die gegen eine Adipositas-Operation sprechen können, sind:
Insgesamt sollte bei der Entscheidung für oder gegen eine Adipositas-Operation immer eine Risiko-Nutzenabwägung erfolgen. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag zu Adipositas-Risiken. Bei einigen Begleiterkrankungen etwa Nieren- oder Leberschädigung kann das Operationsrisiko erhöht sein. Gleichzeitig können sich Gewicht, Stoffwechsel und bestimmte Begleiterkrankungen nach einer Adipositas-Operation verbessern. So können sich beispielsweise eine Fettleber oder die Nierenfunktion nach einer deutlichen Gewichtsabnahme günstig entwickeln.5,6 Auch bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) kann eine Adipositas-Operation im Einzelfall sinnvoll sein7.
Die Kosten einer Adipositas-OP können von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Die konkrete Kostenübernahme erfolgt nach Prüfung der individuellen medizinischen Voraussetzungen: bei einem BMI ab 35 kg/m2 mit Begleit-und Folgeerkrankungen oder bei einem BMI ab 40 kg/m2.2 Gut zu wissen: Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts muss man bei medizinisch erforderlicher Krankenhausbehandlung nicht in jedem Fall erst die Genehmigung der Krankenkasse abwarten. Ob ein vorheriger Antrag auf Kostenübernahme zwingend vorgeschrieben ist, kann aber im Einzelfall unterschiedlich beurteilt werden – die Entscheidung liegt bei den jeweiligen Landessozialgerichten, die je nach Bundesland unterschiedlich urteilen können.8
Bei der Schlauchmagen-OP, einer der gängigsten Formen der Adipositaschirurgie, wird ein großer Teil des Magens operativ entfernt. Übrig bleibt ein schmaler, schlauchförmiger Restmagen9, die Nahrungspassage durch den Dünndarm bleibt unverändert. Beim Roux-Y-Magenbypass wird dagegen eine kleine Magentasche gebildet und direkt mit dem Dünndarm verbunden. Ein Großteil des Magens sowie der obere Dünndarmabschnitt werden dadurch für die Nahrungspassage umgangen, ohne dass Magengewebe entfernt wird. Der Haupteffekt des Magenbypasses beruht weniger auf einer verminderten Nährstoffaufnahme als auf hormonellen und metabolischen Veränderungen, die unter anderem das Sättigungs- und Hungergefühl beeinflussen10.
Neben Schlauchmagen und Roux-Y-Magenbypass gibt es weitere Operationsverfahren, etwa den One-Anastomosis Gastric-Bypass (auch Omega-Loop- oder „Mini“-Magenbypass genannt). Dabei wird im Unterschied zum klassischen Roux-Y-Bypass nur eine Verbindung zwischen der neu gebildeten kleinen Magentasche und dem Dünndarm hergestellt11.
Wie viel Gewicht jemand durch einen Magenbypass verliert, lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Die Bandbreite ist groß und hängt unter anderem vom Ausgangsgewicht, von Begleiterkrankungen, der individuellen Stoffwechsellage und der Nachsorge ab12. Dazu gehört in der Regel auch eine ernährungsmedizinische Beratung nach der Adipositas-OP. Wie viel Gewichtsverlust im Einzelfall realistisch ist, sollte daher gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt eingeschätzt werden. Du hast noch keine medizinische Ansprechperson? Mit uns findest du ärztliche Unterstützung.
Es gibt nicht die eine „beste" Adipositas-OP. Welches Verfahren infrage kommt, ist eine individuelle medizinische Entscheidung. Sie wird gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen und hängt unter anderem von BMI, Begleiterkrankungen und persönlichen Voraussetzungen ab.
Wichtig zu wissen: Eine Operation ist meist nicht der erste Schritt, sondern Teil eines langfristigen Behandlungskonzeptes. Vor einer Adipositas-Operation kommen in der Regel zunächst andere wichtige Säulen der Adipositas-Therapie zum Einsatz:
Eine bariatrische Operation kommt in der Regel ab einem BMI von 35 kg/m2 mit Begleit-und Folgeerkrankungen oder ab einem BMI von 40 kg/m² infrage. Ab einem BMI von 40 kg/m2 spricht man von Adipositas Grad 3. Ob eine Adipositas-OP sinnvoll ist und welches Verfahren geeignet ist (Schlauchmagen oder Magenbypass), wird ärztlich geprüft.
Wichtig ist außerdem die Vorbereitung: Vor der Adipositas-OP gehören meist eine mehrmonatige Ernährungsberatung, Bewegungstherapie und verhaltenstherapeutische Unterstützung zum Behandlungskonzept. Auch nach der Operation bleibt die Ernährung ein zentraler Bestandteil der Therapie, da sich der Körper an die veränderten anatomischen und hormonellen Bedingungen anpassen muss.