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Darmkrebs und Übergewicht: Symptome, Risikofaktoren und wie du dein Risiko senken kannst

Hat mein Gewicht etwas mit meinem Darmkrebsrisiko zu tun? Diese Frage stellen sich viele. In diesem Artikel erfährst du, wie stark Übergewicht das Darmkrebsrisiko erhöhen kann, welche Risikofaktoren und Anzeichen bei Darmkrebs wichtig sind und was du selbst zur Vorbeugung tun kannst.

Infografik zu Warnzeichen und Risikofaktoren von Darmkrebs mit einer Darstellung des Darms.

Mögliche Warnzeichen und Risikofaktoren für Darmkrebs im Überblick.

Wie hoch ist das Risiko für Darmkrebs bei Übergewicht?

Darmkrebs – medizinisch kolorektales Karzinom genannt, weil er meist im Dickdarm (Kolon) oder im Enddarm (Rektum) entsteht – gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Als die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren gelten dabei Tabakkonsum und Übergewicht.1

Große Auswertungen zeigen einen klaren Zusammenhang: Menschen mit Adipositas (einem Body-Mass-Index ab 30 kg/m2) haben gegenüber Menschen mit Normalgewicht ein um rund 30 Prozent erhöhtes Risiko für Darmkrebs.2

Pro Anstieg des BMI um 5 kg/m2 steigt das Risiko um etwa 6 bis 18 Prozent. Bei Männern ist der Zusammenhang dabei durchweg stärker ausgeprägt als bei Frauen und für den Dickdarm deutlicher als für den Enddarm.2

Interessant ist, dass nicht nur das Gewicht an sich, sondern auch die Fettverteilung am Bauch entscheidend sein kann. Eine Auswertung der UK Biobank fand, dass ein größerer Taillenumfang das Risiko deutlicher vorhersagt als der BMI allein.3

Der Zusammenhang könnte in Studien unterschätzt werden, weil eine noch unerkannte Krebserkrankung bereits vor der Diagnose zu Gewichtsabnahme führen und die Ergebnisse dadurch verzerren kann.2 Welche weiteren gesundheitlichen Folgen starkes Übergewicht haben kann, zeigt dir unsere Übersicht zu den Adipositas-Folgen.

Was sind Warnsignale für Darmkrebs?

Tückisch ist, dass Darmkrebs im Frühstadium oft keine eindeutigen Beschwerden verursacht. Auch Vorstufen wie bestimmte Darmpolypen bleiben in der Regel lange unbemerkt.4

Treten Anzeichen auf, gehören zu den möglichen Darmkrebs-Symptomen vor allem:

  • Blut im oder auf dem Stuhl
  • Anhaltend veränderte Stuhlgewohnheiten (Durchfall, Verstopfung oder ein ständiger Wechsel)
  • Das Gefühl, dass sich der Darm nicht vollständig entleert
  • Krampfartige oder anhaltende Bauchschmerzen
  • Ungewollte Gewichtsabnahme sowie eine Blutarmut (Anämie) durch unbemerkten Blutverlust.4

Häufige Gründe für eine diagnostische Koloskopie sind rektale Blutungen (etwa 37 Prozent), Bauchschmerzen (etwa 34 Prozent) und eine Blutarmut (etwa 23 Prozent) die häufigsten Befunde. Wo der Tumor sitzt, macht dabei einen Unterschied: Rechtsseitige Tumoren fallen eher durch eine Blutarmut auf, linksseitige eher durch Veränderungen der Stuhlgewohnheiten.5

Zur Einordnung ist wichtig: Diese Beschwerden können auch andere, harmlose Ursachen haben. Sie sollten dennoch ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn sie länger anhalten oder mehrere zusammen auftreten.

Was sind Risikofaktoren für Darmkrebs?

Ein Teil der Risikofaktoren lässt sich nicht beeinflussen: ein höheres Lebensalter (mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankt nach dem 70. Lebensjahr), eine familiäre Vorbelastung, erbliche Erkrankungen wie das Lynch-Syndrom oder die familiäre adenomatöse Polyposis sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.5,6

Viele Faktoren können aber beeinflusst werden: Übergewicht, eine Ernährung mit viel rotem und vor allem verarbeitetem Fleisch, Alkoholkonsum, Rauchen, Bewegungsmangel und eine ballaststoffarme Ernährung.5

Der World Cancer Research Fund bewertet Übergewicht, Alkoholkonsum und verarbeitetes Fleisch als überzeugend risikosteigernd. Pro 50 Gramm verarbeitetem Fleisch am Tag kann das Darmkrebsrisiko demnach um etwa 16 Prozent steigen.7 Einen breiteren Überblick über die Risiken von starkem Übergewicht gibt dir unser Beitrag zu den Adipositas-Risikofaktoren.

Wie kann Bauchfett das Darmkrebsrisiko erhöhen?

Eine mögliche wichtige Rolle spielt das innere Bauchfett, das als viszerales Fett bezeichnet wird. Es ist stoffwechselaktiv und kann eine chronische, niedriggradige Entzündung fördern. Dabei können Botenstoffen wie Interleukin-6 und TNF-alpha erhöht sein und ein tumorförderndes Milieu begünstigen.8

Hinzu kommt, dass Übergewicht mit einer Insulinresistenz, erhöhten Insulin- und IGF-1-Spiegeln sowie veränderten Fettgewebshormonen (mehr Leptin, weniger Adiponectin) einhergehen kann. Erhöhte Insulin- und IGF-1-Spiegel können das Zellwachstum anregen. Auch das Darmmikrobiom kann sich ungünstig verändern. Zudem können vermehrt sekundären Gallensäuren entstehen, die die Darmschleimhaut zusätzlich belasten können.8

Kann man übergewichtig sein und Darmkrebs haben?

Ja, und das ist ein wichtiger Punkt: Weil frühe Stadien häufig kaum Beschwerden verursachen, kann ein Tumor auch bei übergewichtigen Menschen lange unbemerkt wachsen. Übergewicht schützt also keineswegs vor Darmkrebs, sondern ist selbst ein Risikofaktor. 

Beobachtungsstudien sprechen dafür, dass Veränderungen des Körpergewichts mit dem Darmkrebsrisiko zusammenhängen können: Eine Gewichtszunahme von rund 10 Kilogramm war mit einem etwa 8 Prozent höheren Risiko verbunden. Nach einer Adipositasoperation wurde im Vergleich zu nicht operierten Menschen mit Adipositas ein um rund ein Viertel niedrigeres Darmkrebsrisiko beobachtet.8,9

Aufhorchen solltest du dagegen, wenn du ungewollt und ohne Änderung von Ernährung oder Bewegung an Gewicht abnimmst. Eine solche unerklärliche Gewichtsabnahme ist ein mögliches Warnzeichen und sollte ärztlich abgeklärt werden.4

Wie kann ich mein Risiko für Darmkrebs senken?

Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Darmkrebsrisiko zu senken. Dazu gehört, ein gesundes Körpergewicht zu halten oder bei Übergewicht Gewicht abzubauen kann dazu beitragen das Darmkrebsrisiko zu senken.10 Bewegung ist dabei ein weiterer wichtiger Faktor: Körperlich sehr aktive Menschen haben ein etwa 24 Prozent geringeres Risiko für Dickdarmkrebs als sehr inaktive.11 Wie du langfristig Übergewicht vorbeugen kannst, liest du in unserem Ratgeber zur Adipositas-Prävention.

Bei der Ernährung können Ballaststoffe, Vollkornprodukte und Milchprodukte bei der Vorbeugung unterstützen, während verarbeitetes Fleisch möglichst selten und rotes Fleisch nur in Maßen auf dem Teller landen sollten.7 

Entscheidend ist außerdem die Früherkennung. Frauen und Männer können in Deutschland ab 50 Jahren zwischen einem immunologischen Stuhltest alle 2 Jahre und bis zu zwei Darmspiegelungen (Koloskopie) im Abstand von 10 Jahren wählen. Bei der Koloskopie lassen sich mögliche Krebsvorstufen direkt entfernen, bevor daraus überhaupt Krebs entstehen kann. Und wird Darmkrebs früh erkannt, sind die Darmkrebs-Heilungschancen gut.12

Wenn du unsicher bist, ob dein Gewicht dein Risiko erhöht, können dir spezialisierte Anlaufstellen weiterhelfen. Einen Überblick geben unsere Adipositas-Spezialist:innen.

Darmkrebs und Übergewicht: informiert vorsorgen statt sich sorgen

Schon moderate Veränderungen bei Ernährung, Bewegung und Gewicht können dabei helfen, dein Risiko zu reduzieren. Zusammen mit den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen kannst du deine Darmgesundheit damit unterstützen. Mehr über den allgemeinen Zusammenhang von Gewicht und Krebs erfährst du in unserem Beitrag zu Übergewicht und Krebs.

Ina

Mein Name ist Kathrin

Seit ich klein bin, gibt es wichtige Familienmitglieder in meinem direkten Umfeld, die mit ihrem Übergewicht, Vorurteilen und Stigmata zu kämpfen haben. Es ist mir eine große Herzensangelegenheit, Menschen mit Adipositas zu helfen und über die chronische Erkrankung aufzuklären. Niemand sollte mit diesem Thema alleine sein, sondern die nötige Unterstützung und Hilfe finden.



Weitere Artikel:

Quellen:
  1. Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert Koch-Institut. (2025). Krebs in Deutschland: Darmkrebs (C18–C21). https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_inhalt.html (Abgerufen 20. August 2026)
  2. Mandic, M., Li, H., Safizadeh, F., Niedermaier, T., Hoffmeister, M., & Brenner, H. (2023). Is the association of overweight and obesity with colorectal cancer underestimated? An umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. European Journal of Epidemiology, 38(2), 135–144. https://doi.org/10.1007/s10654-022-00954-6 (Abgerufen 20. August 2026)
  3. Safizadeh, F., Mandic, M., Schöttker, B., Hoffmeister, M., & Brenner, H. (2025). Central obesity may account for most of the colorectal cancer risk linked to obesity: Evidence from the UK Biobank prospective cohort. International Journal of Obesity, 49, 619–626. https://doi.org/10.1038/s41366-024-01680-7 (Abgerufen 20. August 2026)
  4. Centers for Disease Control and Prevention. (2024). Symptoms of colorectal cancer. https://www.cdc.gov/colorectal-cancer/symptoms/index.html (Abgerufen 20. August 2026)
  5. Menon, G., & Cagir, B. (2025). Colon cancer. In StatPearls. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK470380/ (Abgerufen 20. August 2026)
  6. Zentrum für Krebsregisterdaten (2025). Darmkrebs. Robert Koch-Institut. Verfügbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html (abgerufen am 2. September 2026).
  7. World Cancer Research Fund / American Institute for Cancer Research. (2018). Diet, nutrition, physical activity and colorectal cancer (Continuous Update Project Expert Report). https://www.wcrf.org/wp-content/uploads/2024/10/Colorectal-cancer-report.pdf (Abgerufen 20. August 2026)
  8. Ye, P., Xi, Y., Huang, Z., & Xu, P. (2020). Linking obesity with colorectal cancer: Epidemiology and mechanistic insights. Cancers, 12(6), 1408. https://doi.org/10.3390/cancers12061408 (Abgerufen 20. August 2026)
  9. Afshar S, Kelly SB, Seymour K, Lara J, Woodcock S, Mathers JC. The effects of bariatric surgery on colorectal cancer risk: systematic review and meta-analysis. Obes Surg. 2014 Oct;24(10):1793-9. doi: 10.1007/s11695-014-1359-y. PMID: 25015708.
  10. International Agency for Research on Cancer (IARC/WHO). (2016). IARC Handbooks of Cancer Prevention, Volume 16: Body fatness (Pressemitteilung Nr. 247). https://www.iarc.who.int/wp-content/uploads/2018/07/pr247_E.pdf (Abgerufen 20. August 2026)
  11. Wolin, K. Y., Yan, Y., Colditz, G. A., & Lee, I.-M. (2009). Physical activity and colon cancer prevention: A meta-analysis. British Journal of Cancer, 100(4), 611–616. https://doi.org/10.1038/sj.bjc.6604917 (Abgerufen 20. August 2026)
  12. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Darmkrebs-Vorsorge: Darmspiegelung jetzt auch für Frauen ab 50 Jahren möglich. 1. April 2025. G-BA

 

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