Adipositas Folgen & Übergewicht Folgen für die Gesundheit
Was sind Adipositas Folgen & Übergewicht Folgen? ✓ Auswirkungen auf den Körper ✓ Soziale & psychische Folgen ✓ ► Mehr zu Folgeerkrankungen!
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Rund 61 Prozent der Männer in Deutschland sind übergewichtig, etwa 19 Prozent der Männer und Frauen sind adipös. Das geht aus der Querschnittsbefragung „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) hervor.1 Wir wollen klären, ab wann bei einem Mann Übergewicht vorliegt und welche Folgen es für ihn haben kann. Außerdem schauen wir uns an, was sich mit dem Alter ändert und welche Behandlungsmöglichkeiten es für Adipositas bei Männern gibt.
Übergewicht bei Männern kann sich erheblich auf alle Lebensbereiche auswirken. Umso wichtiger ist es, gut über Folgen und Behandlungen informiert zu sein.
Bei einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 29,9 kg/m2 spricht man von Übergewicht oder Präadipositas. Starkes Übergewicht oder Adipositas ist als BMI ≥ 30 kg/m2 definiert.2 Neben dem BMI lässt sich Übergewicht auch über den WHtR (Waist-to-Height Ratio) einordnen, also dem Verhältnis von Taille (englisch „waist“) zu Körpergröße (englisch „height“). Den Wert erhält man, indem man den Taillenumfang durch die Körpergröße teilt (beides in Zentimetern). Vorgeschlagen wird ein oberer WHtR-Grenzwert von 0,5 für Männer und Frauen.3
Ein kleines Beispiel dazu: Bei einem Taillenumfang von 90 Zentimetern und einer Körpergröße von 1,80 Metern ergibt sich ein WHtR von 0,5. Mit unseren praktischen Rechnern kannst du dir einen schnellen Überblick zu deinem BMI und WHtR verschaffen. Außerdem haben wir weitere Informationen rund um Adipositas für dich zusammengestellt.
Übergewicht und Unfruchtbarkeit beim Mann können zusammenhängen. Eine Auswertung der vorhandenen Studien zeigt4, dass Paare, bei denen der Mann adipös ist, häufiger Schwierigkeiten haben können, schwanger zu werden. Zudem weisen Männer mit Adipositas den Ergebnissen zufolge häufig eine verminderte Spermienqualität auf.5 Als wesentlicher Faktor gilt der Hormonhaushalt: Bei Übergewicht kann der Testosteronspiegel sinken, während der Östrogenspiegel gleichzeitig erhöht ist. Im Normalzustand ist Testosteron als das wichtigste männliche Sexualhormon im Körper dominant, während das vorwiegend weibliche Hormon Östrogen beim Mann nur in sehr geringen Mengen vorkommt. Dieses hormonelle Ungleichgewicht kann die Spermienproduktion stören.
Neben dem Übergewicht beim Mann beeinflussen weitere Faktoren die Spermienqualität und Fruchtbarkeit: Eine aktuelle Übersichtsarbeit nennt unter anderem Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, Schlafmangel und Stress als ungünstig, während regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung sich positiv auswirken können. Die Datenlage zu vielen dieser Zusammenhänge ist allerdings noch begrenzt.6
Dass Übergewicht den Hormonhaushalt beeinflussen kann, zeigt schon eine Studie aus dem Jahr 1995 an 80 Männern mittleren Alters, die Körperfettanteil, Fettverteilung und mehrere Hormonspiegel im Blut untersuchte.7 Je höher der Körperfettanteil, desto niedriger waren Testosteron und SHBG (ein Transportprotein, das Sexualhormone im Blut bindet und reguliert). Gleichzeitig stieg der Östrogenspiegel. Dieser Zusammenhang galt sowohl für das Gesamtkörperfett als auch für das Bauchfett.
Interessant ist dabei: In dieser Studie hing der Hormonspiegel stärker mit dem gesamten Körperfett zusammen als mit dem viszeralen Fett, also dem „tiefen“ Bauchfett rund um die inneren Organe. Für den Hormonhaushalt scheint demnach die Gesamtmenge an Körperfett wichtiger zu sein als die Lage.
Für das allgemeine Gesundheitsrisiko spielt die Lage dagegen sehr wohl eine Rolle, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Niedriger waren bei höherem Körperfettanteil auch sogenannte Nebennierenandrogene, also Vorstufen, die die Nebenniere produziert und aus denen der Körper unter anderem Testosteron bilden kann: Je mehr Körperfett, desto niedriger waren auch diese Vorstufen. In der Studie ließ sich der niedrige Testosteronspiegel sogar weitgehend über diese Vorstufen erklären. Das deutet darauf hin, dass bei Übergewicht nicht nur das Testosteron selbst betroffen ist, sondern bereits seine Vorstufen.
Zusammengefasst verschob sich das Hormongleichgewicht in dieser Untersuchung auf mehreren Ebenen zugleich: weniger Testosteron, weniger Transportprotein, weniger Hormonvorstufen, mehr Östrogen. Welche Rolle deine Gene spielen können, zeigen wir dir in unserem Beitrag zu den möglichen genetischen Ursachen von Übergewicht.
Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur im Gesamtkörperfettanteil, sondern auch darin, wo Fett bevorzugt gespeichert wird. Ursache sind hormonelle und stoffwechselbedingte Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen lagern Fett vor allem an Oberschenkeln, Gesäß und Hüften ein, also eher peripher. Männer hingegen neigen dazu, Fett bevorzugt im Bauchbereich anzusammeln.
Dabei ist zwischen zwei Arten von Bauchfett zu unterscheiden: dem subkutanen Fett direkt unter der Haut und dem viszeralen Fett, das tief im Bauchraum die inneren Organe umgibt. Männer haben im Vergleich zu Frauen bei gleichem Taillenumfang deutlich mehr viszerales Fett – und dieser Unterschied wächst mit dem Alter.8
Das viszerale Fett ist dabei besonders relevant. Eine Auswertung von 72 Kohortenstudien mit über 2,5 Millionen Teilnehmern zeigt9, dass ein größerer Taillenumfang unabhängig vom allgemeinen Körpergewicht mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden ist. Die Autoren empfehlen daher, Maße der Bauchfettverteilung ergänzend zum BMI zu berücksichtigen.
Übrigens: Die Auswertung zeigt auch9, dass nicht nur das Gesamtgewicht zählt. Ein größerer Taillenumfang war unabhängig vom BMI mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Das bedeutet: Auch ein Mann mit normalem BMI kann durch viel Bauchfett ein erhöhtes Risiko tragen.
Übergewicht bei Männern geht mit einer anderen Fettverteilung einher als es bei Frauen der Fall ist.
Das Risiko, an Gewicht zuzunehmen, ist im jungen Erwachsenenalter am höchsten. Eine bevölkerungsbasierte Auswertung von Gesundheitsdaten aus England mit über zwei Millionen Teilnehmern zeigt10, dass 18- bis 24-Jährige im Vergleich zu älteren Altersgruppen das größte Risiko haben, in eine höhere BMI-Kategorie zu wechseln. Mit zunehmendem Alter nimmt dieses Risiko stetig ab. So lag das durchschnittliche Gewicht von Männern zwischen 18 und 24 Jahren zu Beginn bei etwa 81 kg, nach zehn Jahren war es im Mittel rund 90 kg. Bei Männern zwischen 65 und 74 Jahren hingegen blieb das Gewicht über denselben Zeitraum nahezu stabil.
Ob diese Ergebnisse vollständig auf Deutschland übertragbar sind, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Daten des Statistischen Bundesamtes aus einer Bevölkerungsumfrage zeigen11 zwar, dass die 50- bis 59-Jährigen mit durchschnittlich 81,3 kg die schwerste Altersgruppe sind. Dieser Wert bezieht sich allerdings auf alle erwachsenen dieser Altersgruppe, nicht nur Männer, und er spiegelt den Querschnitt der Bevölkerung wider. Er erlaubt keine Aussage darüber, in welchem Alter die Zunahme tatsächlich stattgefunden hat.
Übergewicht und Adipositas können das Risiko für eine Vielzahl von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen erhöhen. Laut der S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas2 kann das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall bei Adipositas zwei- bis dreifach erhöht sein. Das Risiko für Typ-2-Diabetes kann bereits ab einem BMI von 25 steigen und ist bei Adipositas mehr als dreifach erhöht. Etwa 80 Prozent der Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes haben Übergewicht oder Adipositas. Darüber hinaus können Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und Thromboembolien bei Adipositas häufiger auftreten.
Bei den Folgen von Übergewicht für Männer zeigen sich diese Zusammenhänge besonders deutlich im Bereich der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Eine repräsentative Auswertung von Gesundheitsdaten aus Deutschland zeigt12, dass übergewichtige Männer ein 84 Prozent höheres Risiko für kardiometabolische Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen haben können als normalgewichtige Männer. Bei Adipositas kann dieses Risiko um das Vierfache steigen. Darüber hinaus kann das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei adipösen Männern um das 1,8-Fache erhöht sein. Treten Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und erhöhter Blutzucker gemeinsam auf, kann es sich um ein metabolisches Syndrom handeln.
Auf unserer Info-Seite zum Thema Adipositas-Folgen findest du weitere Informationen rund um die Auswirkungen von starkem Übergewicht.
Bei Adipositas und Übergewicht mit gesundheitlichen Risikofaktoren ist eine langfristig angelegte, individuell passende Unterstützung sinnvoll. Im Mittelpunkt steht nicht das schnelle Verlieren von Bauchfett, sondern eine nachhaltige Veränderung von Ernährung, Bewegung und Verhalten. Angepasste Ernährungsgewohnheiten und mehr Bewegung im Alltag können helfen, den Stoffwechsel anzukurbeln. Bereits eine Gewichtsreduzierung von etwa fünf Prozent kann positive Effekte nachweisen2. Bei Problemen empfehlen wir dir unseren Beitrag zu Abnehmfehlern, in dem wir typische Schwierigkeiten in den Fokus nehmen.
Patient:innen mit Übergewicht oder Adipositas können außerdem von ärztlicher Unterstützung profitieren. Regelmäßige Kontrollen helfen, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und weitere Risikofaktoren im Blick zu behalten und mögliche Folge- und Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen.