Go to the page content

Metabolisches Syndrom

Das metabolische Syndrom ist keine harmlose Begleiterscheinung, sondern ein gefährliches Quartett für dein Herz: Bluthochdruck, Übergewicht sowie erhöhte Zucker- und Fettwerte setzen deinen Körper unter Dauerstress. Erfahre hier, wie du das gefährliche Bauchfett erkennst und dein metabolisches System mit der richtigen Strategie wieder in Balance bringst.

Das Herz-Kreislauf-System im Blick


Unterschiedliche Faktoren wie die Herzgesundheit beeinflussen ein metabolisches Syndrom. 

Was ist ein metabolisches Syndrom?

Früher auch gerne als „diabolisches Syndrom“ oder „Wohlstandssyndrom“ bezeichnet, ist die Erkrankung heute als tödliches Quartett bekannt. Diese Definition umfasst vielfältige Risikofaktoren, die sich stark auf die Lebenserwartung von Betroffenen auswirken können. Dein metabolischer Stoffwechsel kann dabei durch diverse Störungen aus dem Gleichgewicht geraten. 

Was sind metabolische Einflussfaktoren?

Bei metabolischen Einflussfaktoren handelt es sich um Anzeichen für eine Stoffwechselstörung. Dahinter kann das metabolische Syndrom stecken, dessen Einflussfaktoren sich nach der Definition der American Heart Association1 aus sechs unterschiedlichen Bestandteilen zusammensetzen:

  1. Bauchbetontes Übergewicht: Hierbei sammelt sich Fett vor allem in der Bauchhöhle an. Dieses sogenannte Viszeralfett ist stoffwechselaktiv und setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen im gesamten Körper fördern können.
  2. Atherogene Dyslipidämie: Hierunter versteht man eine Fettstoffwechselstörung. Dabei ist die Konzentration von schädlichen Fetten (Triglyzeriden) im Blut zu hoch, während das schützende HDL-Cholesterin –die „Müllabfuhr“ der Gefäße – oft zu niedrig konzentriert ist.
  3. Erhöhter Blutdruck: Ein dauerhaft zu hoher Druck in den Gefäßen schädigt die empfindlichen Innenwände der Arterien und begünstigt deren Verkalkung. Erfahre mehr zur Herzgesundheit bei Adipositas.
  4. Insulinresistenz: Die Körperzellen sprechen nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin an. Dadurch kann der Zucker (Glukose) aus dem Blut nicht mehr effektiv in die Zellen geschleust werden, was über längere Zeit zu einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel führt.
  5. Ein entzündungsfördernder Zustand: Das Immunsystem befindet sich in dauerhafter, leichter Alarmbereitschaft (stille Entzündung). Dies schädigt langfristig das Gewebe und die Gefäße, ohne dass man sofort akute Schmerzen spurt
  6. Ein gerinnungsfördernder Zustand: Das Blut neigt eher dazu, Klümpchen zu bilden. Dies erhöht das Risiko für Blutgerinnsel (Thr ombosen), die Gefäße verstopfen und so zu Infarkten führen können.
Die Bedingungen des metabolischen Syndroms im Überblick.


Ein Metabolisches Syndrom wird durch unterschiedliche Faktoren bedingt. 

Ist ein metabolisches Syndrom heilbar?

Die kurze Antwort lautet: Ja, du kannst das metabolische Syndrom tatsächlich wieder loswerden! In der Medizin spricht man hierbei oft von einer „Remission“. Das bedeutet, dass dein Körper durch die Umstellung deiner Gewohnheiten so weit ins Gleichgewicht kommt, dass du am Ende weniger als drei der kritischen Risikofaktoren (wie Bluthochdruck oder zu hohe Zuckerwerte) aufweist. Eine aktuelle Langzeitstudie aus November 20252 zeigt daneben sogar, dass mehr als jeder Vierte, der aktiv kleine, feste Routinen in seinen Alltag einbaut, diesen Erfolg über Jahre hinweg halten kann. Dazu integrierst du Schritt für Schritt neue Routinen in dein bestehendes Leben.

Was kann man gegen das metabolische Syndrom tun?

Gegen das metabolische Syndrom kann eine Änderung deines Lebensstils helfen, die auf zwei Säulen aufbaut. Zum einen kann es dir helfen, mehr Bewegung in dein Leben zu integrieren. Sport für Übergewichtige kann dich nicht nur dabei unterstützen, nachhaltig abzunehmen, sondern bringt dich auch auf den Weg zu mehr Wohlbefinden. Dabei geht es auch nicht darum, ein striktes Sportprogramm einzuhalten, stattdessen genügt schon eine halbe Stunde am Tag, die du beispielsweise mit einem Spaziergang im Freien verbringen kannst. Auch die alltägliche Bewegung, beispielsweise im Haushalt, kann dir helfen. Entscheidend für dauerhafte Verbesserungen ist die Regelmäßigkeit: versuche jeden Tag Möglichkeiten für Bewegung in deinem Alltag zu finden.

Die zweite Säule dreht sich um deine Ernährung: hierbei geht es darum, dass du bewusst neue Gewohnheiten in deinem Alltag schaffst. Ein Vergleich vieler Ernährungsformen3 zeigt, dass du von einer vielfältigen Auswahl profitierst. Empfohlen wird häufig die sogenannte mediterrane Ernährung (die auch als Mittelmeer-Diät bezeichnet wird) auch von Expertinnen4. Bei dieser Ernährungsform liegt der Fokus nicht auf dem starren Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, sondern vielmehr auf der ausgewogenen Zusammenstellung von Nahrungsmitteln. Bei uns erfährst du, wie eine Ernährungstherapie dich bei nachhaltigen Veränderungen unterstützt.

Wie wird das metabolische Syndrom diagnostiziert?

Ein „metabolisches Quartett“ wird anhand unterschiedlicher gängiger Definitionen diagnostiziert. So werden metabolische Erkrankungen nach der WHO5 nach Nachweis einer Insulinresistenz anhand mindestens zwei weiterer Faktoren wie Bluthochdruck, Dyslipidämie, Adipositas (nach BMI oder WHR) oder einer Mikroalbuminurie nachgewiesen. Das Adult Treatment Panel III (ATP III) benötigt für den Nachweis einer metabolischen Störung hingegen das Vorliegen von beliebigen drei aus fünf Diagnose-Faktoren wie einem hohen Taillenumfang, erhöhten Triglyceriden, einem niedrigen HDL-Wert, erhöhtem Blutdruck sowie einem erhöhten Nüchternblutzucker (oder einer Diabetes-Diagnose)6. Schließlich gibt es Diagnosekriterien der International. Diabetes Federation (IDF), die zwingend eine zentrale Adipositas voraussetzt7, ergänzt durch mindestens zwei weitere Risikofaktoren wie erhöhte Triglyzeride (≥150 mg/dl), ein niedriges HDL (<40 mg/dl bei Männern / <50 mg/dl bei Frauen), einen erhöhten Blutdruck (≥130/85 mmHg) oder eine erhöhte Nüchternglukose (≥100 mg/dl), um metabolische Krankheiten zu diagnostizieren.

Kritiker der Diagnosekriterien sehen die Kombination der verschiedenen Faktoren als zu kurz greifend. Demnach habe die Diagnose des metabolischen Syndroms weder einen pädagogischen noch einen klinischen Nutzen; stattdessen sollte der klinische Schwerpunkt vielmehr darauf liegen, jeden der vorhandenen kardiovaskulären Risikofaktoren für sich genommen wirksam zu behandeln8. Sprich für eine Diagnose, zum Abklären der Ursachen und eine Therapie unbedingt mit deiner Ärztin und deinem Arzt. Mit unserem WHtR-Rechner verschaffst du dir einen ersten Überblick. Finde heraus, ob Adipositas-Medikamente unterstützend infrage kommen können.

Metabolisches Syndrom: Risiken nicht unterschätzen

Ist dein Herz-Kreislauf-System belastet, solltest du das als Chance für Veränderung verstehen. Schließlich wirken sich die möglichen Adipositas-Folgen stark auf deine Gesundheit und dein Wohlbefinden aus. Das Zusammenspiel aus Bluthochdruck, Zucker- und Fettstoffwechselstörungen ist ein deutliches Signal deines Körpers, das nach Aufmerksamkeit verlangt. Doch die Diagnose ist kein Schicksal, dem du machtlos gegenüberstehst. Indem du heute beginnst, kleine Routinen in deinen Alltag zu integrieren, nimmst du den Druck von deinen Gefäßen und gibst deinem Stoffwechsel die Möglichkeit, wieder in Balance zu kommen. Zur Abklärung kannst du ärztliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Schau dir dazu unseren praktischen Arztfinder an. Es geht nicht um Perfektion, sondern um deine langfristige Gesundheit und die Lebensqualität, die du dir zurückerobern kannst.

 

Ina

Mein Name ist Christine

Rund um das Thema Übergewicht und Abnehmen kursieren unzählige Informationen – einiges davon ist richtig, vieles aber auch unvollständig oder schlichtweg falsch. Deshalb ist es mir ein Anliegen, aufzuklären und fundiertes Wissen zu vermitteln.



Weitere interessante Artikel:

Quellen
  1. Grundy, S. M., Brewer, H. B., Cleeman, J. I., Smith, S. C., & Lenfant, C. (2004). Definition of metabolic syndrome. Circulation, 109(3), 433–438. https://doi.org/10.1161/01.cir.0000111245.75752.c6
  2. Powell, L. H., Berkley-Patton, J., Drees, B. M., Karavolos, K., Lohse, B., Masters, K. S., Nicklas, J. M., Rothschild, S. K., Yeh, C., Zimmermann, L. J., Suzuki, S., Kaplan, R. M., Ambrosius, W. T., Anderson, E., Lewis, C., Norington, G., Mack, J., Winn, E. M., Glover, P. D., . . . Silvestry, S. (2025). Lifestyle intervention for sustained remission of metabolic syndrome. JAMA Internal Medicine, 186(1), 67. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2025.5900
  3. Castro-Barquero, S., Ruiz-León, A. M., Sierra-Pérez, M., Estruch, R., & Casas, R. (2020). Dietary Strategies for Metabolic Syndrome: A Comprehensive Review. Nutrients, 12(10), 2983. https://doi.org/10.3390/nu12102983
  4. Top Expert-Recommended Diets Overall | U.S. News. (n.d.). US News & World Report. https://health.usnews.com/best-diet/best-diets-overall
  5. BMJ Publishing Group Ltd. (2006, March 1). Criteria for metabolic syndrome. The BMJ. https://www.bmj.com/content/suppl/2006/03/01/bmj.38766.624097.1F.DC1. https://www.emro.who.int/images/stories/emhj/documents/in_press/table_1_criteria_for_diagnosis_of_metabolic_syndrome_by_diagnostic_guideline.pdf
  6. Metabolic Syndrome Criteria (ATP III). (2024, February 8). MedCentral. https://www.medcentral.com/calculators/endocrinology/metabolic-syndrome-criteria-atp-iii
  7. Alberti, S. G., Zimmet, P., Shaw, J., Grundy, S. M., Consultant to Writing Group, International Diabetes Federation, AstraZeneca Pharmaceuticals, Aschner, P., Balkau, B., Barter, P., Bennett, P., Boyko, E., Brunzell, J., Chan, J., DeFronzo, R., Després, J.-P., Groop, L., Laakso, M., Lefèbvre, P., Matsuzawa, Y., . . . Pierson, A. (2006). The IDF consensus worldwide definition of the METABOLIC SYNDROME. https://idf.org/media/uploads/2023/05/attachments-30.pdf
  8. Reaven, G. M. (2006). The metabolic syndrome: is this diagnosis necessary?1,2. American Journal of Clinical Nutrition, 83(6), 1237–1247. https://doi.org/10.1093/ajcn/83.6.1237
DE26OB00095