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Blutfettwerte und Übergewicht: Dein Wegweiser für Herz und Stoffwechsel

Deine Blutfettwerte sind ein wichtiger Gradmesser für deine Gesundheit. Wenn sie dauerhaft erhöht sind, kann das langfristig Folgen für dein Herz-Kreislauf-System haben. In diesem Artikel erfährst du, wie hohe Blutfettwerte entstehen, warum Übergewicht dabei eine Rolle spielt und wie du deine Werte positiv beeinflussen kannst.

Blutfettwerte können das Risiko für unterschiedliche Erkrankungen erhöhen.


Blutfettwerte können das Risiko für unterschiedliche Erkrankungen erhöhen.

Was sind Blutfettwerte eigentlich?

Unter dem Begriff Blutfettwerte fassen Medizinerinnen und Mediziner verschiedene Fette (Lipide) zusammen, die in deinem Blut zirkulieren. Die wichtigsten Vertreter sind das Cholesterin und die Triglyceride. Dein Körper benötigt diese im Fettstoffwechsel als Energielieferanten und Grundbausteine für Zellen und Hormone.

Beim Gesamtcholesterin lässt sich zwischen zwei unterschiedlichen Arten unterschieden. Das LDL-Cholesterin, auch Low-density-lipoprotein-Cholesterin oder auf Deutsch: Lipoprotein-Partikel niedriger Dichte, wird oft als „schlechtes Cholesterin bezeichnet. Vor allem die kleinen, dichten LDL-Partikel (small, dense LDL) sind hier risikoreich, da sie unabhängig von Alter, Geschlecht und Körpergewicht mit einem dreifach erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert sind1. HDL-Cholesterin bezeichnet hingegen Lipoprotein-Partikel hoher Dichte, die auch als „gutes Cholesterin“ gelten, wobei ein niedriger Wert risikoreich ist.

Die Einteilung in „gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin greift jedoch oft zu kurz. Eine umfassende Untersuchung2 zeigt, dass LDL („schlechtes“ Cholesterin) zwar universell als Risikofaktor gilt, die Rolle des HDL („gutes“ Cholesterin) aber stark von der ethnischen Herkunft abhängt. So erhöht ein niedriger HDL-Wert das Risiko für koronare Herzerkrankungen zwar bei hellhäutigen Menschen, besitzt bei dunkelhäutigen Erwachsenen jedoch kaum Aussagekraft. Zudem liefert ein hoher HDL-Wert entgegen dem Ruf als „Schutzfaktor“ keinen messbaren Vorteil für die Herzgesundheit. Die herkömmliche Einteilung ist daher unpräzise und kann besonders bei dunkelhäutigen Patientinnen und Patienten zu einer falschen Risikoeinschätzung führen. Schau dir bei uns mehr zum Thema Herz und Übergewicht an.

Erhöhte Blutfettwerte und Symptome

Sind deine Blutfettwerte erhöht, hast du keine direkten Symptome. Da eine Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) meist symptomlos verläuft, bleibt sie oft so lange unerkannt, bis sie durch eine Blutuntersuchung sichtbar wird. So kann sich beispielsweise vermehrt Fett in den Leberzellen einlagern3 und die Entwicklung einer sogenannten MASH-Leber kann (in Verbindung mit weiteren Risikofaktoren) begünstigt werden. Schau dir passend dazu mehr rund um die Lebergesundheit an. Außerdem haben wir hier einen schnellen Überblick für dich vorbereitet.

Erhöhte Blutfettwerte-Folgeerkrankungen im Überblick


Blutfettwerte können das Risiko für unterschiedliche Erkrankungen erhöhen.


Wie in der Übersicht dargestellt, betreffen die Auswirkungen erhöhter Blutfettwerte den gesamten Körper. Kritisch kann die schleichende Entwicklung von Arteriosklerose sein, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die periphere arterielle Verschlusskrankheit stark erhöhen kann. Zudem können chronische Fettstoffwechselstörungen zu Organproblemen führen.

Wie hängen erhöhte Blutfettwerte und Übergewicht zusammen?

Eine zentrale Erkenntnis der Forschung4 ist die enge Kopplung zwischen dem Körperfettanteil und deinem Lipidprofil. Eine Untersuchung zeigt, dass insbesondere ein steigender Body-Mass-Index (BMI) sowie eine vermehrte Fetteinlagerung im Bauchraum direkt mit höheren Werten für Triglyceride und das LDL-Cholesterin einhergehen5. Dieser Zusammenhang ist so signifikant, dass Übergewicht bereits im Jugendalter als einer der verlässlichsten Indikatoren für das spätere Herz-Kreislauf-Risiko gilt. Eine Langzeitstudie belegt, dass über drei Viertel der betroffenen Jugendlichen auch im Erwachsenenalter adipös bleiben und damit die bereits früh messbaren Belastungen durch LDL-Cholesterin und Triglyceride lebenslang fortführen6. Interessanterweise zeigt sich dabei, dass körperliche Aktivität zwar das Gewicht und die Körperform positiv beeinflusst, die Blutfettwerte jedoch erst dann nachhaltig sinken, wenn auch das Depotfett reduziert wird. Passend dazu findest du bei uns eine Übersicht der Adipositas-Risikofaktoren.

Ursachen für gestörte Blutfettwerte


Die Ursachen gestörter Blutfettwerte auf einen Blick. 

Welche Blutfettwerte erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Lange Zeit galt das LDL-Cholesterin als der alleinige Hauptschuldige bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und tatsächlich: Die Senkung des LDL-Werts bleibt in den meisten Leitlinien das primäre Ziel einer Therapie. Doch die Forschung7 zeigt heute ein viel differenzierteres Bild.

Hier sind die entscheidenden Werte, die dein Risiko beeinflussen:

  • LDL-Cholesterin: Ein dauerhaft hoher Spiegel ist ein klassischer Risikofaktor.
  • Nicht-HDL-Cholesterin & Apolipoprotein B (apo B): Diese Werte sind oft noch aussagekräftiger als das LDL allein. Selbst wenn dein LDL-Wert durch Medikamente niedrig ist, bleibt ein Risiko bestehen, wenn diese Konzentrationen hoch sind.
  • HDL-Cholesterin & Apolipoprotein A-I: Hier ist ein zu niedriger Wert das Problem. Diese Proteine wirken schützend; fehlen sie, steigt die Gefahr für Gefäßereignisse.
  • Triglyzeride & Lipoprotein(a): Auch erhöhte Werte dieser Fette und Biomarker können Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhersagen – selbst bei Patienten, die bereits in Behandlung sind.

Mein Cholesterin ist erhöht, was kann ich tun?

Sind deine Blutfettwerte zu hoch, hast du verschiedene Möglichkeiten, aktiv gegenzusteuern. Dabei ist das Cholesterin-Senken durch die Ernährung einer der wichtigsten Hebel, um gezielt das schädliche LDL und die Triglyzeride zu reduzieren, während die schützenden HDL-Werte erhalten bleiben. Mit Blick auf die Studienlage8 zeigt sich insbesondere die Kombination aus einer gezielten Ernährung und regelmäßiger Bewegung als besonders wirksam. Beim Cholesterin-Senken durch Lebensmittel geht es nicht nur um die Reduktion gesättigter Fette, sondern auch um die Ergänzung durch förderliche Nahrungsmittel wie beispielsweise Haferflocken (deren Beta-Glucan laut Meta-Analysen bei ca. 3,5 g täglich das LDL senken kann)9, Nüsse (welche durch Phytosterine die Cholesterinaufnahme im Darm blockieren können10) können laut klinischen Daten bei einem täglichen Verzehr von etwa 67 Gramm zu einer signifikanten Senkung des LDL-Cholesterinspiegels um durchschnittlich 7,4 Prozent führen11, Äpfel (die Polyphenole liefern und deren pektinreiche, lösliche Ballaststoffe die Cholesterinabsorption senken können)12. Der Fokus sollte hierbei nicht auf einzelnen Lebensmitteln liegen, sondern in der Kombination unterschiedlicher Lebensmittel (ein Synergieeffekt, der als „Portfolio-Diät“ bekannt ist und neben dem LDL auch wichtige Risikomarker wie ApoB effektiv reduziert)13. Eine Ernährungstherapie kann dich dabei unterstützen, einen ausgewogenen Speiseplan zusammenzustellen. Darüber hinaus ist es oft sinnvoll, zusätzliche ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um gesundheitliche Aspekte ganzheitlich abzuklären. Mit unserem Arztfinder findest du nicht-ärztliche und ärztliche Unterstützung.

Bei diesen Lebensstilveränderungen handelt es sich um eine erste Strategie, die insbesondere Unterstützung bieten können, wenn die Blutfettwerte leicht über den Normalwerten liegen. Neben dem Blutfettwerte-Senken durch Ernährung ist eine medizinische Abklärung wichtig, insbesondere wenn starkes Übergewicht vorliegt. Schau dir bei uns mehr zum Thema Adipositas-Medikamente an.

Wissenswertes rund um Blutfettwerte

Können erhöhte Blutfettwerte einen Schlaganfall verursachen?

Erhöhte Blutfettwerte beim LDL-Cholesterin sind insbesondere bei sogenannten ischämischen Schlaganfällen ein starkes Risiko. Verantwortlich sind hier Gefäßverkalkungen insbesondere bei den großen Halsschlagadern. Bei Erkrankungen der kleinen Gehirngefäße (Small Vessel Disease) kann eine ausgeprägte Hypolipidämie – also untypisch niedrige LDL-Werte – hingegen ein potenzielles Risiko darstellen14.

Was darf ich nicht essen bei erhöhten Blutfettwerten?

Generell wird von einseitigen Diäten abgeraten und ein kompletter Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Gruppen von Nahrungsmitteln ist meist gar nicht nötig. Vielmehr geht es um die richtige Auswahl und das Maß innerhalb der einzelnen Lebensmittelgruppen. In unserem Diätvergleich haben wir unterschiedliche Ernährungsweisen gegenüberstellt und geben dir einen schnellen Überblick möglicher Vorteile und Nachteile.

Hohe Blutfettwerte senken für mehr Lebensqualität

Zu hohe Blutfettwerte zu senken ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Integrierst du eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung in deinen Alltag, gehst du bereits entscheidende Schritte, um dein Wohlbefinden zu verbessern. Indem du aktiv wirst, schützt du deine Gesundheit und erhöhst langfristig deine Lebensqualität. Finde bei uns Weiteres rund um das Thema Adipositas-Behandlung heraus.



Ina

Mein Name ist Ina

Gesundheit ist so viel mehr als nur eine Zahl auf der Waage. Mir ist es wichtig, den Menschen ganzheitlich zu sehen – mit all seinen körperlichen, emotionalen und sozialen Facetten. Ich möchte dabei unterstützen, realistische Wege zu mehr Wohlbefinden zu finden – ohne Druck, sondern mit Empathie, Wissen und einem Blick fürs Wesentliche.



Weitere interessante Artikel:

Quellen
  1. Austin, M. A. (1988). Low-Density lipoprotein subclass patterns and risk of myocardial infarction. JAMA, 260(13), 1917. https://doi.org/10.1001/jama.1988.03410130125037
  2. Zakai, N. A., Minnier, J., Safford, M. M., Koh, I., Irvin, M. R., Fazio, S., Cushman, M., Howard, V. J., & Pamir, N. (2022). Race-Dependent association of High-Density lipoprotein cholesterol levels with incident coronary artery disease. Journal of the American College of Cardiology, 80(22), 2104–2115. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2022.09.027
  3. Tholey, D. (2025, August 4). Steatotische Lebererkrankung. MSD Manual Ausgabe Für Patienten. https://www.msdmanuals.com/de/heim/leber-und-gallenst%C3%B6rungen/krankheitsbilder-bei-lebererkrankungen/steatotische-lebererkrankung
  4. Zamani, A. (2016). Relationship between body composition with Blood Lipids profile. Azad. https://www.academia.edu/21783905/Relationship_between_body_composition_with_Blood_Lipids_profile
  5. Correlation of Body Mass Index with Serum Lipid Profile Level in Adolescent Students of Bangladesh. (2024, July 1). PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38944735/
  6. reedman, D. S., Kettel Khan, L., Dietz, W. H., Sathanur R. Srinivasan, PhD & Gerald S. Berenson, MD. (2001). Relationship of Childhood Obesity to Coronary Heart Disease Risk Factors in Adulthood: The Bogalusa Heart Study. In Pediatrics (Bd. 108, Nummer 3, S. 712–718).
  7. Arsenault, B. J., Boekholdt, S. M., & Kastelein, J. J. P. (2011). Lipid parameters for measuring risk of cardiovascular disease. Nature Reviews Cardiology, 8(4), 197–206. https://doi.org/10.1038/nrcardio.2010.223
  8. Varady, K. A., & Jones, P. J. (2005). Combination Diet and Exercise Interventions for the Treatment of Dyslipidemia: an Effective Preliminary Strategy to Lower Cholesterol Levels? Journal of Nutrition, 135(8), 1829–1835. https://doi.org/10.1093/jn/135.8.1829
  9. Ho, H. V. T., Sievenpiper, J. L., Zurbau, A., Mejia, S. B., Jovanovski, E., Au-Yeung, F., Jenkins, A. L. & Vuksan, V. (2016). The effect of oatβ-glucan on LDL-cholesterol, non-HDL-cholesterol and apoB for CVD risk reduction: a systematic review and meta-analysis of randomised-controlled trials. British Journal Of Nutrition, 116(8), 1369–1382. https://doi.org/10.1017/s000711451600341x
  10. Segura, R., Javierre, C., Lizarraga, M. A., & Ros, E. (2006). Other relevant components of nuts: phytosterols, folate and minerals. British Journal of Nutrition, 96(S2), S36–S44. https://doi.org/10.1017/bjn20061862
  11. Sabaté, J. (2010). Nut consumption and blood lipid levels. Archives of Internal Medicine, 170(9), 821. https://doi.org/10.1001/archinternmed.2010.79
  12. Koutsos, A., Riccadonna, S., Ulaszewska, M. M., Franceschi, P., Trošt, K., Galvin, A., Braune, T., Fava, F., Perenzoni, D., Mattivi, F., Tuohy, K. M., & Lovegrove, J. A. (2019). Two apples a day lower serum cholesterol and improve cardiometabolic biomarkers in mildly hypercholesterolemic adults: a randomized, controlled, crossover trial. American Journal of Clinical Nutrition, 111(2), 307–318. https://doi.org/10.1093/ajcn/nqz282
  13. Jenkins, D. J. A., Jones, P. J. H., Lamarche, B., Kendall, C. W. C., Faulkner, D., Cermakova, L., Gigleux, I., Ramprasath, V., De Souza, R., Ireland, C., Patel, D., Srichaikul, K., Abdulnour, S., Bashyam, B., Collier, C., Hoshizaki, S., Josse, R. G., Leiter, L. A., Connelly, P. W., & Frohlich, J. (2011). Effect of a dietary portfolio of Cholesterol-Lowering foods given at 2 levels of intensity of dietary advice on serum lipids in hyperlipidemia. JAMA, 306(8), 831–839. https://doi.org/10.1001/jama.2011.1202
  14. Kim, J. S. (2021). Role of Blood Lipid Levels and Lipid-Lowering Therapy in Stroke Patients with Different Levels of Cerebral Artery Diseases: Reconsidering Recent Stroke Guidelines. Journal of Stroke, 23(2), 149–161. https://doi.org/10.5853/jos.2021.01249

 

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