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Vorhofflimmern und Übergewicht: Dein Herz im Fokus für mehr Lebensqualität

Wenn dein Herz plötzlich aus dem Takt gerät, kann das beängstigend sein. Vorhofflimmern und Übergewicht können enger zusammenhängen, als viele vermuten. Ein höheres Körpergewicht kann Schwerstarbeit für dein Herz-Kreislauf-System bedeuten. In diesem Artikel erfährst du, wie Adipositas Vorhofflimmern begünstigen kann, welche Rolle das Bauchfett spielen kann und wie du durch gezielte Gewichtsreduktion dein Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen kannst.

Stethoskop und Herzsymbol zur Vorsorge von Vorhofflimmern bei Übergewicht.

Herzgesundheit im Blick: Wie du durch Gewichtsreduktion Vorhofflimmern bei Übergewicht aktiv entgegenwirken kannst.

Was ist Vorhofflimmern?

Laut der S3-Leitlinie zum Vorhofflimmern (VHF) ist dieses durch „schnelle, unkoordinierte elektrische Aktivierung des Vorhofmyokards gekennzeichnet“, wodurch insbesondere im linken Vorhof das Risiko für die Thrombenbildung gesteigert sein kann. Hinzu kommt eine Störung der „physiologischen Koordination zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern“, wodurch es zu einem unregelmäßigen und oft beschleunigten Herzschlag kommen kann.1

Einfach gesagt: Das Herz verliert seinen Taktgeber. Die Vorhöfe und die Kammern arbeiten nicht mehr Hand in Hand, sondern völlig außer Takt. Dies schränkt die Effizienz des Herzens ein und erhöht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden.

Medizinische Darstellung von normalem Herzschlag vs. Vorhofflimmern bei Übergewicht.

Der Vergleich: So kann Vorhofflimmern bei Übergewicht den Herzrhythmus und die elektrische Aktivität verändern.

Wie wird Vorhofflimmern sicher festgestellt?

Für die Diagnose ist nach der S3-Leitlinie ein Elektrokardiogramm (EKG) erforderlich. Insbesondere das sogenannte subklinische Vorhofflimmern (auch atriale Hochfrequenzepisode) tritt oft ohne Symptome auf. Hier können medizinisch zertifizierte Wearables (beispielsweise Smartwatches mit EKG-Funktion und CE-Zulassung) oder Herzschrittmacher durch ihre (langfristigen) Daten erste Hinweise liefern, woraufhin eine gezielte Untersuchung folgen kann.

Was sind Symptome von Vorhofflimmern?

Zuerst muss erwähnt werden, dass 15 bis 30 Prozent des Vorhofflimmerns symptomlos sind2. Treten beim Flimmern des Herzens hingegen Symptome auf, kann es unter anderem zu Erschöpfung, lautem Herzklopfen, Atemnot, einem Engegefühl in der Brust sowie zu Schlafstörungen kommen3,4.

Kann Übergewicht Vorhofflimmern auslösen?

Übergewicht und insbesondere starkes Übergewicht oder Adipositas können ein signifikanter Risikofaktor für die Entstehung von Vorhofflimmern sein. Dazu können auf der einen Seite damit verbundene Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche beitragen. Auf der anderen Seite können strukturelle und elektrische Veränderungen des Herzens stehen, die über unterschiedliche Mechanismen zum Risiko beitragen können5. Zusätzlich können Entzündungen, oxidativer Stress sowie die Zunahme des epikardialen Fettgewebesbeim Vorhofflimmern zusätzliche Risiken sein.7 Einfach gesagt, kannst du dir das wie einen Apfel vorstellen, der an der Luft braun wird: Der oxidative Stress lässt die Herzzellen vorzeitig „altern“, während das Fettgewebe wie ein Entzündungsherd direkt auf dem Herzmuskel liegt.

Bei uns findest du mehr zum Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Übergewicht sowie zum Diabetesrisiko heraus.

Welche Rolle spielen Bauchfett, Entzündungen und Herzumbau?

Das epikardiale Fettgewebe (EAT) – ein viszerales Fettdepot direkt am Herzen – kann eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Vorhofflimmern spielen. Dieses Fettgewebe kann als lokale Quelle für Entzündungsmediatoren und oxidativen Stress fungieren, was zu einer verstärkten Fibrose (Bindegewebswucherung) führen kann. Durch diesen strukturellen und elektrischen Herzumbau kann sich das Myokard verändern: Fettinfiltrationen können die Reizleitung stören und können so das anatomische Substrat für Rhythmusstörungen schaffen. Die Messung dieses herznahen Fetts mittels Bildgebung wie CT oder MRT dient daher heute als wichtiges prognostisches Instrument, um die Schwere und die Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern besser einschätzen zu können.8

Welcher Puls ist gefährlich bei Vorhofflimmern?

Den einen festen Messwert, ab dem eine generelle Gefahr besteht, gibt es nicht. Problematisch ist einerseits ein zu langsamer Herzschlag (auch als Bradykardie bezeichnet), da es hierdurch zu einer Unterversorgung der Organe kommen kann. Andererseits gilt auch ein beschleunigte Herzschlag (der auch als Tachykardie bezeichnet wird) als riskant. Hierbei können Symptome von Herzrasen und Nervosität bis hin zur Bewusstlosigkeit (bei Herzfrequenzen von über 200 Schlägen pro Minute) auftreten.9

Wird Vorhofflimmern besser, wenn man abnimmt?

Eine Abnahme kann sich (einer im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Untersuchung aus dem Jahr 2013 nach) positiv auf die Symptome und die Krankheitslast des Vorhofflimmerns auswirken10.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Gewichtsreduktion und Gewichtsmanagement weit mehr als Begleitmaßnahmen sein können: Patientinnen und Patienten, die ihr Gewicht aktiv reduzierten (Gewichtsreduktion von 14,3 Kilogramm vs. 3,6 Kilogramm in der Kontrollgruppe), konnten die Häufigkeit und Schwere ihrer Symptome signifikant senken. Während die rein symptomatische Belastung in der Abnehm-Gruppe um über elf Punkte sank, blieb sie in der Kontrollgruppe nahezu unverändert.

Auch die physische Herzstruktur konnte verändert werden. Durch das sogenannte „Cardiac Remodeling“ wurde eine Verkleinerung des linken Vorhofs und des interventrikulären Septums erreicht. Darüber hinaus konnte die Dauer der Vorhofflimmer-Episoden verringert werden.11 Wir zeigen dir mehr zu den möglichen Zusammenhängen zwischen Herzgesundheit und Übergewicht

Wie stark steigt das Risiko mit BMI und Taillenumfang?

Generell gilt, dass das Risiko für Vorhofflimmern mit dem BMI linear zusammenhängt. Jeder Anstieg des BMI um einen Punkt war mit einer Erhöhung des Vorhofflimmer-Risikos um 4,7 % verbunden.12 Grund kann die stärkere Belastung des Herzens sein, was zu einem vergrößerten linken Vorhof führen kann13.

Auch die Fettverteilung kann die Entstehung des Vorhofflimmerns begünstigen. Das zeigt die Auswertung der Daten von Erwachsenen, die zwischen 2008 und 2013 US-amerikanische Vorsorgekliniken besucht haben. Die Auswertung von Fragebögen, körperlichen Untersuchungen und technischer Diagnostik zeigt, dass das Risiko für Vorhofflimmern pro zehn Zentimeter Taillenumfang bei Männern um 47 Prozent und bei Frauen um 37 Prozent steigen kann. Auch interessant an diesen Ergebnissen: Bei Männern scheint der Taillenumfang ein deutlicherer Warnhinweis für das Herzrisiko zu sein, während bei Frauen der BMI verlässlicher für die Risikovorhersage zu sein scheint.14 Mit unserem WHtR-Rechner kannst du dir einen schnellen Überblick über deine möglichen Risiken verschaffen. Während bei Frauen oft der BMI und bei Männern der Taillenumfang im Fokus steht, liefert das Verhältnis von Taille zu Körpergröße (WHtR) für beide die präziseste Antwort auf das Risiko durch Bauchfett. Mach mit unserem WHtR-Rechner den schnellen Check für deine Herzgesundheit.

Was sind weitere Einflussfaktoren für Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern kann unter anderem auch mit der Schilddrüse zusammenhängen. Eine Studie des Medical Center Heart Institute in Salt Lake City hat einen Zusammenhang zwischen einer Steigerung des FT4-Spiegels (einem freien Schilddrüsenhormon, das den Herzrhythmus beeinflussen kann) im Referenzbereich und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern festgestellt15. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich auf die Funktion des Herzens auswirken, wobei Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits bei kleinen Abweichungen erhöht sein können16. Erfahre mehr über die Schilddrüsenunterfunktion in unserem Beitrag.

Zudem kann, sofern ein erhöhtes Gewicht und ein erhöhter Taillenumfang vorliegen, die Kombination mit einem metabolischen Syndrom die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Vorhofflimmern erhöhen17. Unter diesem Begriff werden vier Risikofaktoren zusammengefasst, die oft gemeinsam auftreten: starkes Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhte Zucker- und Fettwerte im Blut. In unserem Artikel rund um das metabolische Syndrom erklären wir die Hintergründe im Detail. 

Welche Lebensstilmaßnahmen haben den größten Hebel?

Vorhofflimmern ist nicht immer vollständig heilbar, kann aber gut behandelt werden. Aus dem möglichen Zusammenhang zwischen Herzrhythmusstörungen und Gewichtsverlust zeigt sich, dass eine Abnahme dir beim Reduzieren des Risikos helfen kann. Wie ein wissenschaftliches Statement der American Heart Association zeigt, sind viele der „Treiber“ des Vorhofflimmerns durch eine entsprechende Umstellung des Lebensstils umkehrbar. Hierunter fallen Ernährung, Bewegung und die Stressreduktion.

Für die Behandlung, beispielsweise mit Blick auf das Schlaganfallrisiko, werden drei weitere Säulen genannt, die von der Gerinnungshemmung über die Pulsfrequenzkontrolle bis zur Rhythmuskontrolle reichen.

Vorhofflimmern: Übergewicht und weiteren Risiken begegnen

Wie du gesehen hast, können Vorhofflimmern und Adipositas deutlich zusammenhängen. Diese Verknüpfung zwischen deinem Herz-Kreislauf-System und deinem Stoffwechsel zeigt, dass du Möglichkeiten hast, dein Herz zu entlasten. Abnehmen als Teil deiner Lebensstilveränderungen bedeutet allerdings keinen radikalen Verzicht. Stattdessen geht es um nachhaltige Schritte auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Indem du auf eine ausgewogene Ernährung achtest und Bewegung in deinen Alltag integrierst, investierst du direkt in deine Lebensqualität. 

Ina

Mein Name ist Christine

Rund um das Thema Übergewicht und Abnehmen kursieren unzählige Informationen – einiges davon ist richtig, vieles aber auch unvollständig oder schlichtweg falsch. Deshalb ist es mir ein Anliegen, aufzuklären und fundiertes Wissen zu vermitteln.



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Quellen
  1. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (2025). S3-Leitlinie Vorhofflimmern (AWMF-Registernummer 019-014, Version 1.1). AWMF online.
  2. Rienstra, M., Lubitz, S. A., Mahida, S., Magnani, J. W., Fontes, J. D., Sinner, M. F., Van Gelder, I. C., Ellinor, P. T., & Benjamin, E. J. (2012). Symptoms and functional status of patients with atrial fibrillation. Circulation, 125(23), 2933–2943. https://doi.org/10.1161/circulationaha.111.069450
  3. Kirchhof, P., Benussi, S., Kotecha, D., Ahlsson, A., Atar, D., Casadei, B., Castella, M., Diener, H.-C., Heidbuchel, H., Hendriks, J., Hindricks, G., Manolis, A. S., Oldgren, J., Popescu, B. A., Schotten, U., Van Putte, B., Vardas, P., European Society of Cardiology, Gorenek, B., . . . Zeppenfeld, K. (2016). 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS. In European Heart Journal (S. 2893–2962) [Journal-article]. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehw210
  4. Streur , M. (2018). Atrial fibrillation symptom perception. The Journal For Nurse Practitioners, 15(1), 60–64. https://doi.org/10.1016/j.nurpra.2018.08.015
  5. Pathak, R. K., Middeldorp, M. E., Meredith, M., Mehta, A. B., Mahajan, R., Wong, C. X., Twomey, D., Elliott, A. D., Kalman, J. M., Abhayaratna, W. P., Lau, D. H., & Sanders, P. (2015). Long-Term effect of Goal-Directed weight management in an atrial fibrillation cohort. Journal of the American College of Cardiology, 65(20), 2159–2169. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2015.03.002
  6. Ärzteblatt, D. Ä. G. R. D. (o. D.). Vorhofflimmern: Epikardiales Fett im Fokus. Deutsches Ärzteblatt. https://www.aerzteblatt.de/infocenter/blickpunkt-kardiologie-3db3475d-de0d-473b-b979-76c5ec3e5b54/vorhofflimmern-epikardiales-fett-im-fokus-5cb09cde-417d-4984-86dd-987add0ce7f2
  7. Sha, R., Baines, O., Hayes, A., Tompkins, K., Kalla, M., Holmes, A. P., O’Shea, C. & Pavlovic, D. (2023). Impact of Obesity on Atrial Fibrillation Pathogenesis and Treatment Options. Journal Of The American Heart Association, 13(1), e032277. https://doi.org/10.1161/jaha.123.032277
  8. Conte, M., Petraglia, L., Cabaro, S., Valerio, V., Poggio, P., Pilato, E., Attena, E., Russo, V., Ferro, A., Formisano, P., Leosco, D. & Parisi, V. (2022). Epicardial Adipose Tissue and Cardiac Arrhythmias: Focus on Atrial Fibrillation. Frontiers in Cardiovascular Medicine, 9, 932262. https://doi.org/10.3389/fcvm.2022.932262
  9. Herzrhythmusstörung • Symptome, Ursachen & Therapie. (o. D.). https://www.dhzc.charite.de/ratgeber/herzrhythmusstoerung/
  10. Abed, H. S., Wittert, G. A., Leong, D. P., Shirazi, M. G., Bahrami, B., Middeldorp, M. E., Lorimer, M. F., Lau, D. H., Antic, N. A., Brooks, A. G., Abhayaratna, W. P., Kalman, J. M. & Sanders, P. (2013). Effect of Weight Reduction and Cardiometabolic Risk Factor Management on Symptom Burden and Severity in Patients With Atrial Fibrillation. JAMA, 310(19), 2050. https://doi.org/10.1001/jama.2013.280521
  11. Tedrow, U. B., Conen, D., Ridker, P. M., Cook, N. R., Koplan, B. A., Manson, J. E., Buring, J. E. & Albert, C. M. (2010). The Long- and Short-Term Impact of Elevated Body Mass Index on the Risk of New Atrial Fibrillation. Journal Of The American College Of Cardiology, 55(21), 2319–2327. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2010.02.029
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  15. Leichte Schilddrüsenstörungen können schwere Herzprobleme machen | Newsportal - Ruhr-Universität Bochum. (2022, 24. Oktober). Newsportal - Ruhr-Universität Bochum. https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2022-10-24-medizin-leichte-schilddruesenstoerungen-koennen-schwere-herzprobleme-machen
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DE26OB00201