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Schönheitsideale auf Social Media begegnen uns in fast jedem Feed und prägen oft unbewusst unsere Wahrnehmung. Die Selbstdarstellung im Internet ist dabei häufig von Perfektionismus getrieben: Filter und gezielte Posen setzen neue Beauty Standards, die mit der Realität oft wenig zu tun haben. Dieser konstante Vergleich kann das eigene Selbstbild ins Wanken bringen. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Algorithmen diesen Gewichtsdruck verstärken, warum Body Pressure online so präsent ist und wie du trotz dieser Einflüsse einen gesunden Umgang mit sozialen Medien findest.

Schönheitsideale auf Social Media

Social-Media-Apps auf dem Smartphone – Schönheitsideale in Sozialen Medien

Gerade wenn du mit Adipositas oder Übergewicht lebst, kann digitaler Druck besonders belastend wirken, da die gezeigten Bilder selten die Vielfalt echter Körper widerspiegeln.

Wie funktionieren Algorithmen und warum werden scheinbar nur perfekte Körper angezeigt?

Kurz gesagt sortieren die Algorithmen basierend auf vordefinierten Regeln die Inhalte, die bei Instagram, TikTok und Co. siehst. Dabei werden die angezeigten Inhalte gezielt an deine Scrollgewohnheiten angepasst. Zwei Menschen, die ähnlichen Accounts folgen, sehen demnach trotzdem unterschiedliche Inhalte1.  Was das mit Schönheitsidealen im Netz zu tun hat? Da Algorithmen dazu neigen, uns zu zeigen, was wir gerne sehen, entsteht eine Feedbackschleife. Beliebte Inhalte werden immer mehr Menschen angezeigt und bekommen auf diesem Weg noch mehr Aufmerksamkeit in Form von Likes und Views. Daraus kann ein sehr verengter und unrealistischer Blick auf Körperideale entstehen. Schlanke Körper, perfekte Haut und symmetrische Gesichter rücken in den Vordergrund, während ein diverses Körperbild in der digitalen Welt ausgeblendet werden können2. Insbesondere Jugendliche mit Übergewicht können dadurch emotional unter Druck gesetzt werden. Das zeigt sich auch in internen Untersuchungen von Facebook am hauseigenen Dienst Instagram, die durch die Veröffentlichung der sogenannten „Facebook Files“ im September 2021einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurden. Darin steht (sinngemäß auf Deutsch übersetzt) „Wir verschlimmern Körperbildprobleme bei einem von drei Teenagermädchen“.3

Wie können Menschen mit Übergewicht und Adipositas diesem „digitalen Druck“ begegnen?

Um den möglichen Auswirkungen der Schönheitsideale in sozialen Medien zu begegnen, kann ein „Digital Detox“, also der Verzicht auf soziale Medien für einen definierten Zeitraum4, helfen. Anhand einer in Social Science & Medicine – Mental Health veröffentlichte Meta-Analyse aus dem Juni 2025 lässt sich einerseits ein positiver Effekt des Social-Media-Verzichts auf das Wohlbefinden erkennen. Allerdings zeigt sich auch (analog zu den bisher geschilderten Erkenntnissen), dass der Verzicht nicht allgemeingültig die beste Lösung ist und weitere Untersuchungen zu den Auswirkungen sozialer Medien nötig sind5.

Für dich bedeutet das, dich auf die Dinge zu fokussieren, die dir guttun. Das kann die Entdeckung von Aktivitäten sein, die dein Körpergefühl stärken – wie zum Beispiel gezielter Sport für Übergewichtige, der ohne Leistungsdruck Freude an der Bewegung vermittelt.

Wenn ein (teilweiser) Verzicht auf TikTok, Insta und Co. dir hilft, dich besser zu fühlen, kann das ein guter Weg sein. Ebenso wirkungsvoll ist es jedoch, deinen Feed diverser zusammenzustellen und deinen Algorithmus durch Follows und Likes anders zu trainieren. Das Ziel ist ein digitaler Raum, der dich inspiriert, statt dich unter Druck zu setzen. Schließlich bieten soziale Medien auch Raum für Vernetzung und Selbstentfaltung. In Communities, die sich für ein positives Körperbild und Konzepte wie Body Neutrality einsetzen, können digitale Räume eine Quelle der Kraft sein, um Vielfalt als Normalität zu feiern. Schau dir passend dazu unseren Text zum Thema Übergewicht und Selbstwertgefühl an.

Dein Weg zu einem gesünderen digitalen Selbstbild

Der Einfluss von Social Media auf unsere Wahrnehmung ist unbestreitbar, doch du hast die Fäden in der Hand. Schönheitsideale in Social Media müssen nicht dein Maßstab sein. Indem du lernst, schädliche Trends zu erkennen und deinen Feed bewusst mit Inhalten füllst, die echte Vielfalt und Body Positivity zelebrieren, nimmst du dem digitalen Druck seine Kraft.

Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, dich in deinem Körper wohlzufühlen – ganz ohne den ständigen Gewichtsdruck durch fremde Profile. Achte auf deine emotionalen Grenzen und gestalte deinen digitalen Alltag so, dass er dein Wohlbefinden unterstützt, statt es zu mindern. Dein Wert definiert sich nicht über Likes oder Filter, sondern über deine Gesundheit und deine Zufriedenheit mit dir selbst. Das kann beispielsweise über eine ausgewogene Ernährung geschehen, bei uns findest du viele Informationen rund um die Ernährungstherapie bei Adipositas.

Häufig gestellte Fragen zu Schönheitsidealen auf sozialen Medien

Was sind derzeit Trends in sozialen Medien?

Zuletzt macht „Skinnytok“ von sich Reden. Hierbei geben sich meist junge und dünne TikTok-Nutzerinnen Tipps zum Abnehmen. Hierbei werden besonders dünne Körperbilder als Beispiel herangezogen. Essstörungen werden bei einigen als Weg zu diesen Körperidealen verharmlost6. Inzwischen hat TikTok eingelenkt und den Hashtag entschärft: die Suche nach dem Trend führt nun zu Unterstützungsangeboten7. Trotz dieser Maßnahmen setzen sich Körperbild-Trends, die teils aus den frühen 2000ern stammen, heute wieder auf sozialen Medien durch. Damals stechen Trends wie „Zero Size“ und „Heroin Chic“ heraus, die heute unter dem Motto des „Skinny Girl Mindset“ als Lifestyle-Tipps angeboten werden8.

Eng damit verknüpft ist das sogenannte „Body Checking“: Nutzer kontrollieren dabei zwanghaft ihr Äußeres vor der Kamera – etwa durch das Filmen des Bauches im Profil oder das Umfassen der Handgelenke. Was oft als Fitness-Fortschritt getarnt wird, dient häufig als ‚Thinspo‘ (Thinspiration)9 und kann eine schädliche Fixierung auf den eigenen Körper sowie Essstörungen fördern.

Wie beeinflussen soziale Medien das Körperbild und die Emotionalität?

Die Auswirkung dieser Trends kann weitreichend sein. So zeigt sich bei Untersuchungen der Social-Media-Nutzung, dass sich Ansehen von Inhalten zum Thema Gewichtsverlust auf die Wertschätzung des eigenen Körpers auswirkt und diese mindern kann10 .

Die Untersuchung ‚The impact of social media use on body image and disordered eating behaviors: Content matters more than duration of exposure‘ macht deutlich, dass nicht die Intensität der Nutzung der entscheidende Faktor ist: Weder die reine Dauer, die jemand in sozialen Netzwerken verbringt, noch die Anzahl der genutzten Plattformen steht in direktem Zusammenhang mit negativen Auswirkungen auf das Körperbild. Vielmehr ist es die Art des Inhalts, der konsumiert wird. Die Forschung zeigt darüber hinaus, dass sogar das Konsumieren von Body-Positivity- und Body-Neutrality-Inhalten entgegen der Erwartung weder schützende noch schädliche Effekte auf das Körperbild oder Essverhalten hatte. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Präventions- und Behandlungsansätze gezielt auf die schädlichen Gewichtsverlust-Inhalte auszurichten, anstatt die allgemeine Nutzungsdauer in den Vordergrund zu stellen.11

Wie wirken sich Filter hierbei aus?

Die zunehmende Nutzung von Augmented-Reality-Technologie – namentlich von Beauty-Filtern – ermöglicht ein neues, problematisches Phänomen: den sozialen Selbstvergleich. Diese digitalen Werkzeuge erlauben es Nutzern, sich mühelos an unrealistische Schönheitsideale anzupassen, indem sie Merkmale wie glattere Haut, längere Wimpern oder eine schlankere Erscheinung erzeugen. Die Forschung zeigt, dass die Anwendung solcher Filter einen negativen Effekt auf das Körperbild haben kann, wobei in diesem Bereich noch weitere Untersuchungen für eindeutige Zusammenhänge erforderlich sind12. Konkret führt die Verwendung eines verschlankenden Beauty-Filters zu stärkeren Vergleichsprozessen als lediglich die Beobachtung anderer bei der Filternutzung. Somit sind Filter nicht nur Werkzeuge zur Repräsentation, sondern verstärken aktiv den psychischen Druck, indem sie eine mediierte, perfektionierte Version des eigenen Selbst als neue, unerreichbare Messlatte etablieren13.

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Mein Name ist Kathrin.

Seit ich klein bin, gibt es wichtige Familienmitglieder in meinem direkten Umfeld, die mit ihrem Übergewicht, Vorurteilen und Stigmata zu kämpfen haben. Es ist mir eine große Herzensangelegenheit, Menschen mit Adipositas zu helfen und über die chronische Erkrankung aufzuklären. Niemand sollte mit diesem Thema alleine sein, sondern die nötige Unterstützung und Hilfe finden.

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Quellen
  1. Koschke, M. & Koschke, M. (2025, 24. März). How does my social media algorithm work? • IT Center blog. IT Center Blog •. https://blog.rwth-aachen.de/itc/en/2025/01/06/wie-funktioniert-mein-social-media-algorithmus/
  2. What the algorithm teaches you: A reflection on social media and self-worth | BPS. (n.d.). BPS. https://www.bps.org.uk/news/what-algorithm-teaches-you-reflection-social-media-and-self-worth
  3. The Facebook Files, Part 2: “We make body image issues worse.” (n.d.). The Wall Street Journal. https://www.wsj.com/podcasts/the-journal/the-facebook-files-part-2-we-make-body-image-issues-worse/c2c4d7ba-f261-4343-8d18-d4de177cf973
  4. Anandpara, G., Kharadi, A., Vidja, P., Chauhan, Y., Mahajan, S. & Patel, J. (2024). A Comprehensive Review on Digital Detox: A Newer Health and Wellness Trend in the Current Era. Cureus, 16(4), e58719. https://doi.org/10.7759/cureus.58719
  5. Burnell, K., Meter, D. J., Andrade, F. C., Slocum, A., & George, M. J. (2025). The effects of social media restriction: Meta-analytic evidence from randomized controlled trials. SSM - Mental Health, 7, 100459. https://doi.org/10.1016/j.ssmmh.2025.100459
  6. Ärzteblatt, D. Ä. G. R. D. (n.d.). Mehrere Länder drängen auf Regulierung von Tiktok wegen Magertrend. Deutsches Ärzteblatt. https://www.aerzteblatt.de/news/mehrere-lander-drangen-auf-regulierung-von-tiktok-wegen-magertrend-6cf05ca9-a440-43a6-a4e8-398ab782abdd
  7. Gefährliche Vorbilder auf Social Media. (n.d.). Ärztekammer Nordrhein. https://www.aekno.de/aerzte/rheinisches-aerzteblatt/ausgabe/artikel/2025/august-2025/gefaehrliche-vorbilder-auf-social-media
  8. Häfner, R. (2025, May 7). Size Zero ist zurück: Wie Skinny Girls auf TikTok fragwürdige Schönheitsideale propagieren. Apotheken Umschau. https://www.apotheken-umschau.de/news/size-zero-ist-zurueck-wie-skinny-girls-auf-tiktok-fragwuerdige-schoenheitsideale-propagieren-1270225.html
  9. Clinic, C. (2024, March 29). What is Thinspo and why is it dangerous? Cleveland Clinic. https://health.clevelandclinic.org/what-is-thinspo-and-how-it-impacts-mental-health
  10. Tiggemann, M., & Zaccardo, M. (2015). “Exercise to be fit, not skinny”: The effect of fitspiration imagery on women’s body image. Body Image, 15, 61–67. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2015.06.003
  11. Sanzari, C. M., Gorrell, S., Anderson, L. M., Reilly, E. E., Niemiec, M. A., Orloff, N. C., Anderson, D. A., & Hormes, J. M. (2023). The impact of social media use on body image and disordered eating behaviors: Content matters more than duration of exposure. Eating Behaviors, 49, 101722. https://doi.org/10.1016/j.eatbeh.2023.101722
  12. McGovern, O., Collins, R., & Dunne, S. (2022). The associations between photo-editing and body concerns among females: A systematic review. Body Image, 43, 504–517. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2022.10.013
  13. Schroeder, M., & Behm-Morawitz, E. (2024). Digitally curated beauty: The impact of slimming beauty filters on body image, weight loss desire, self-objectification, and anti-fat attitudes. Computers in Human Behavior, 165, 108519. https://doi.org/10.1016/j.chb.2024.108519

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