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Thrombose und Übergewicht: Dein Weg zu gesünderen Venen

Das Zusammenspiel von Thrombose und Übergewicht kann nicht nur Auswirkungen auf deine Gelenke, sondern auch auf dein Gefäßsystem und die Blutgerinnung haben. In diesem Artikel erfährst du, warum Adipositas das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen kann, woran du eine tiefe Venenthrombose bei Übergewicht erkennst und wie du aktiv gegensteuern kannst, um deine Gefäße zu schützen.

Mögliche fördernden Faktoren für Thrombosen: Krebs, Adipositas, veränderte Venenwand, Immobilität und genetische Veranlagung.

Neben dem Zusammenhang zwischen Thrombose und Übergewicht gibt es zahlreiche thrombosefördernden Faktoren. 

Was ist eine Thrombose?

Der Begriff leitet sich vom griechischen Begriff Thrombus ab und bedeutet so viel wie Pfropf. Dieser Thrombus ist ein Blutgerinnsel, welches an der Gefäßwand sitzt und ein Blutgefäß verschließen kann. Dies kann prinzipiell in allen Gefäßen geschehen und lebensgefährlich werden, wenn sich das Blutgerinnsel (das gelöste Gerinnsel wird auch als Embolus bezeichnet) löst.1

Was bedeutet tiefe Venenthrombose?

Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in den tiefergelegenen Venen, die das Blut zum Herzen zurücktransportieren. In den meisten Fällen tritt diese Erkrankung in den Beinen auf.2 Als Folge einer unentdeckten Venenthrombose kann eine sogenannte venöse Thromboembolie (VTE) (ein Oberbegriff, der sowohl die tiefe Venenthrombose als auch die Lungenembolie umfasst) auftreten3. Hierbei löst sich der Pfropfen im Bein, schwimmt im Blutstrom und kann in Organen wie beispielsweise der Lunge stecken bleiben.

Warum erhöht Übergewicht das Thromboserisiko?

Über die Thrombose kann dadurch ein Zusammenhang zwischen einer Lungenembolie und Übergewicht entstehen. Aus einer dänischen Studie geht hervor, dass zwischen Übergewicht und Thrombose eine sogenannte monotone Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht. Das bedeutet einfach gesagt: Je höher die Messwerte für Körpergewicht, BMI und Körperfett waren, desto höher stieg auch das Risiko für eine Venenthrombose an. Unterschiede zeigen sich in der Untersuchung bei der Fettverteilung. Während bei Männern ein erhöhtes Risiko bei erhöhtem Taillenumfang besteht, gilt dies bei Frauen für den Hüftumfang.4

Man geht davon aus, dass Adipositas ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren auslösen kann. Zum einen kann das Fettgewebe Botenstoffe (Adipozytokine) freisetzen, die Entzündungsprozesse fördern und das Blut etwas „dickflüssiger“ machen können. Zum anderen kann es zu einem Ungleichgewicht im Gerinnungssystem kommen: Während pro-thrombotische Faktoren wie Fibrinogen vermehrt auftreten können, wird der natürliche Abbau von Gerinnseln unter Umständen gehemmt. Auch eine veränderte Gefäßgesundheit oder ein gestörter Zuckerstoffwechsel können hierbei begünstigend wirken. Dadurch können unter anderem Beinvenenthrombosen bei Übergewicht in der Entstehung begünstigt werden. Es ist also eine Kombination aus biologischen Signalen und Stoffwechselveränderungen, die in der Summe das sensible Gleichgewicht der Blutgerinnung beeinflussen kann.5,6,7

Welche weiteren Faktoren können eine Thrombose begünstigen?

Die Entstehung einer Thrombose kann auf eine ganze Reihe unterschiedlicher Faktoren zurückgehen. Krebserkrankungen können die Blutgerinnung maßgeblich beeinflussen: Durch die Freisetzung bestimmter Stoffe entsteht oft ein Zustand der Hyperkoagulabilität, bei dem das Blut schneller verklumpt. Dahinter stecken einerseits direkt durch Krebszellen ausgeschüttete Stoffe, die die Blutgerinnung starten, sowie eine Aktivierung von Abwehrzellen und mögliche Therapienebenwirkungen.8

Medizinische Darstellung von normalem Herzschlag vs. Vorhofflimmern bei Übergewicht.

Mögliche fördernden Faktoren für Thrombosen: Krebs, Adipositas, veränderte Venenwand, Immobilität und genetische Veranlagung.

Insbesondere die Rückkehr einer Thrombose kann zudem durch ein metabolisches Syndrom begünstigt werden. In unserem verlinkten Artikel erfährst du, was genau es mit dieser Kombination aus mehreren gesundheitlichen Risikofaktoren auf sich hat. An dieser Stelle kurz zusammengefasst können hoher Blutdruck, hohe Blutfettwerte, ein Diabetes und (starkes) Übergewicht zusammen eine gefährliche Belastung für dein Herz-Kreislauf-System darstellen. Neue Thrombosen werden wahrscheinlicher, je mehr dieser Faktoren gemeinsam auftreten und können noch stärker mit den erhöhten Blutfettwerten assoziiert sein.9

Zudem kann auch eine Schwangerschaft das Risiko für eine venöse Thrombose bei Frauen erhöhen, wobei die Lungenembolie zu den führenden direkten Todesursachen in Schwangerschaft und Wochenbett gehört. Vor allem nach Kaiserschnitten begünstigen Blutstau und Gefäßschäden einen schmerzhaften Venenverschluss in der Beckenvene, der wegen des hohen Embolierisikos oft eine monatelange Blutverdünnung erfordert10. Insbesondere bei einer Gewichtszunahme von mehr als 21 Kilogramm in der Schwangerschaft kann das Risiko steigen. Dies gilt jedoch ebenso beim Vorliegen anderer vorbestehender Risikofaktoren wie beispielsweise einer hereditären Thrombophilie (genetisch bedingte Neigung zu Blutgerinnseln), einer positiven Eigen- oder Familienanamnese für VTE, einem höheren Alter (> 35 Jahre) oder chronischen Erkrankungen wie Lupus erythematodes und Diabetes mellitus – die Faktoren stehen dabei nicht in einer 1:1-Beziehung, sondern können das Risiko jeweils eigenständig oder in Kombination erhöhen.11 Mehr zum Zusammenspiel zwischen Übergewicht und Schwangerschaft erfährst du in unserem Artikel.

Wie wird eine Thrombose diagnostiziert?

Die Diagnose, am Beispiel der tiefen Beinvenenthrombose, erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Einschätzung, Labortests und Ultraschall. Mithilfe des sogenannten Wells-Scores wird zuerst beurteilt, wie wahrscheinlich eine Thrombose ist. Dafür werden typische Symptome, Vorerkrankungen und Risikofaktoren berücksichtigt. Bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit können normwertige D-Dimere – unter Berücksichtigung der jeweils geltenden Grenzwerte – eine Thrombose mit hoher Sicherheit ausschließen. Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit soll dagegen nicht auf den D-Dimer-Test vertraut werden; in diesem Fall ist primär eine bildgebende Diagnostik, insbesondere die Kompressionssonografie, erforderlich. Hierbei prüfen Ärztinnen und Ärzte per Ultraschall, ob sich Venen unter Druck vollständig zusammendrücken lassen. Bleibt die Vene hingegen unter Druck offen, gilt eine Thrombose als nachgewiesen.12

Wie wird eine Thrombose behandelt?

Im ersten Schritt erfolgt eine Herabsetzung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes, was als Antikoagulation bezeichnet wird. Dadurch kann das Blutgerinnsel nicht weiterwachsen, was dem Körper Zeit zum Abbau des Gerinnsels verschafft. In schweren Fällen kann es vorkommen, dass die Blutverdünnung nicht ausreicht. Alternativ können zwei intensivere Methoden zum Einsatz kommen: 

  • Bei der Thrombolyse werden Gerinnsel mithilfe von Medikamenten aufgelöst, 
  • während sich hinter dem Begriff der Thrombektomie eine operative Entfernung mit einem Katheter verbirgt.

     

Anschließend kann durch Kompressionsstrümpfe das Risiko für das postthrombotische Syndrom (PTS) gesenkt werden. Das Syndrom kann für dauerhafte Schmerzen, Schwellungen und offene Stellen am Bein sorgen. Neben der Kompression können außerdem über mindestens drei Monate (und in einigen Fällen lebenslang) blutverdünnende Maßnahmen erforderlich sein.13

Was kannst du für deine Venengesundheit tun?

Schon kleine Bewegungen können helfen, den Blutfluss in den Beinen anzuregen. Wenn es möglich ist, sind regelmäßiges Gehen, häufiges Aufstehen und kleine Übungen für Füße und Waden sinnvolle Maßnahmen im Alltag. Auch längeres Sitzen oder Liegen sollte möglichst vermieden werden. Langfristig kann zudem eine schrittweise Gewichtsreduktion dazu beitragen, das Risiko für Venenerkrankungen und Thrombosen zu senken.

Thrombose und Übergewicht: Verständnis für mehr Wohlbefinden

Das Zusammenspiel zwischen Thrombose und Adipositas eröffnet dir einen neuen Blick auf deine Blutgerinnung. Dabei ist es wichtig, bei ungewöhnlichen Rötungen oder Druckschmerzen ärztlichen Rat einzuholen. Schließlich können die Folgen bei einem Blutgerinnsel drastisch sein. Übergewicht anzugehen, kann bei der Prävention unterstützen und dir auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden helfen. Schau dir dazu unseren praktischen WHtR-Rechner für eine verlässliche Selbsteinschätzung deines kardiometabolischen Risikos an.

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Mein Name ist Kathrin

Seit ich klein bin, gibt es wichtige Familienmitglieder in meinem direkten Umfeld, die mit ihrem Übergewicht, Vorurteilen und Stigmata zu kämpfen haben. Es ist mir eine große Herzensangelegenheit, Menschen mit Adipositas zu helfen und über die chronische Erkrankung aufzuklären. Niemand sollte mit diesem Thema alleine sein, sondern die nötige Unterstützung und Hilfe finden.



Weitere Artikel:

Quellen
  1. Thrombose. (2026, February 13). USZ. https://www.usz.ch/krankheit/thrombose/
  2. Tiefe venenthrombose. (n.d.). https://www.dhzc.charite.de/ratgeber/tiefe-venenthrombose/
  3. Krabbe, B., & Bauersachs, R. M. (2015, September 19). Venöse Thromboembolie (VTE): Klinik und Diagnose. springermedizin.de. https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/dgim-innere-medizin/venoese-thromboembolie-vte-klinik-und-diagnose?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_349
  4. Krabbe, B., & Bauersachs, R. M. (2015, September 19). Venöse Thromboembolie (VTE): Klinik und Diagnose. springermedizin.de. https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/dgim-innere-medizin/venoese-thromboembolie-vte-klinik-und-diagnose?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_349
  5. Darvall, K., Sam, R., Silverman, S., Bradbury, A., & Adam, D. (2006). Obesity and thrombosis. European Journal of Vascular and Endovascular Surgery, 33(2), 223–233. https://doi.org/10.1016/j.ejvs.2006.10.006
  6. Zawadzka, P. S., Imiela, A. M., & Pruszczyk, P. (2025). The interplay between obesity and venous thromboembolism: From molecular aspects to clinical issue. International Journal of Molecular Sciences, 26(21), 10292. https://doi.org/10.3390/ijms262110292
  7. Kwaifa, I. K., & Obeagu, E. I. (2026). OBESITY AND THE CLOTTING CASCADE: MECHANISTIC INSIGHTS INTO HAEMOSTATIC ALTERATIONS. Universal Journal of Pharmaceutical Research. https://doi.org/10.22270/ujpr.v10i6.1463
  8. Falanga, A., Ay, C., Di Nisio, M., Gerotziafas, G., Jara-Palomares, L., Langer, F., Lecumberri, R., Mandala, M., Maraveyas, A., Pabinger, I., Sinn, M., Syrigos, K., Young, A., & Jordan, K. (2023). Venous thromboembolism in cancer patients: ESMO Clinical Practice Guideline. Annals of Oncology, 34(5), 452–467. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2022.12.014
  9. Stewart, L. K., & Kline, J. A. (2020). Metabolic syndrome increases risk of venous thromboembolism recurrence after acute deep vein thrombosis. Blood Advances, 4(1), 127–135. https://doi.org/10.1182/bloodadvances.2019000561
  10. Wouterlood, M. A., Malhamé, I., Lévesque, K., Dayan, N., Mahone, M., Côté, A., Cumyn, A., Malick, M., & Sauvé, N. (2021). Pregnancy‐associated pelvic vein thrombosis: Insights from a multicenter case series. Journal of Thrombosis and Haemostasis, 19(8), 1926–1931. https://doi.org/10.1111/jth.15333
  11. Prävention und Management der schwangerschaftsassoziierten Thrombose. (n.d.). Onkopedia. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/praevention-und-management-der-schwangerschaftsassoziierten-thrombose/@@guideline/html/index.html
  12. Linnemann, B., Blank, Doenst, T., Erbel, C., Isfort, Janssens, U., Kalka, C., Klamroth, R., Kotzerke, J., Ley, S., Meyer, J., Mühlberg, K., Müller, O. J., Noppeney, T., Opitz, C., Riess, H., Solomayer, E.-F., Volk, T. & Beyer-Westendorf, J. (2023). Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. https://https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
  13. Therapie bei tiefer Bein- und Beckenvenenthrombose. (2008). In Deutsches Ärzteblatt (Bd. 105, Nummern 1–2, S. 25–34) [Journal-article]. https://doi.org/10.3238/arztebl.2008.0025
DE26OB00216