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Adipositas-Hypoventilationssyndrom: Wenn Übergewicht die Atmung belastet

Ausgeprägte Tagesmüdigkeit, morgendliche Kopfschmerzen und Atemnot schon bei geringer Anstrengung: Hinter diesen Beschwerden kann bei starkem Übergewicht das sogenannte Adipositas-Hypoventilationssyndrom stecken, das auch Pickwick-Syndrom genannt wird.

In diesem Artikel erfährst du, was das Pickwick-Syndrom ist, welche Symptome typisch sind, wie starkes Übergewicht mit Atemnot zusammenhängen kann, ob das Syndrom gefährlich sein kann und welche Behandlungswege es gibt.

Atemnot bei geringer sportlicher Belastung als mögliches Hypoventilationssyndrom-Symptom.

Atemnot, die bereits bei geringer Belastung auftritt, kann zu den Symptomen des Hypoventilationssyndroms gehören.

Was ist das Pickwick-Syndrom?

Der Begriff Pickwick-Syndrom geht auf den 1836 erschienenen Roman „The Posthumous Papers of the Pickwick Club“ von Charles Dickens zurück. Darin wird ein stark übergewichtiger junger Mann beschrieben, der unter einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit leidet. Daraus leitet sich schließlich die Bezeichnung als Pickwick-Syndrom ab.1 Fachlich korrekt ist die Bezeichnung Adipositas-, Obesitas- oder Obesity-Hypoventilationssyndrom, kurz OHS. Gemeint ist ein Zustand, bei dem starkes Übergewicht zu einer immer wiederkehrenden zu flachen oder zu langsamen Atmung führt, sodass sich zu viel Kohlendioxid im Blut ansammelt (sog. Hyperkapnie).2

Für die Diagnose müssen drei Bedingungen zusammenkommen: ein Body-Mass-Index von mindestens 30 kg/m2, eine dauerhaft erhöhte Kohlendioxidkonzentration im Blut am Tag, gemessen über eine Blutgasanalyse, sowie eine schlafbezogene Atmungsstörung. Zudem müssen Ärzte vorher ausschließen, dass andere Erkrankungen hinter der Atemstörung stecken, wie etwa eine schwere Lungenerkrankung, Muskelschwund oder Verformungen des Brustkorbs.2 Die deutschen Leitlinien betonen, dass die Tages-Blutgasanalyse zwingend erforderlich ist und eine Schlafuntersuchung allein für die Diagnose nicht ausreicht.3,4

Wie hängt starkes Übergewicht mit Atemnot zusammen?

Starkes Übergewicht kann die Atmung auf mehreren Ebenen erschweren. Das Gewicht, also die mechanische Last auf Brustkorb und Bauch, kann die Lungenfunktion einschränken, besonders im Liegen, was den häufig beschriebenen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Atemnot im Liegen erklären kann. Zusätzlich kann das Atemzentrum weniger empfindlich auf den Anstieg von Kohlendioxid reagieren.5 Ein Zusammenhang besteht mit der obstruktiven Schlafapnoe: Rund neun von zehn Menschen mit Adipositas haben zugleich eine Schlafapnoe.6

Wie eng nächtliche Atemaussetzer und Übergewicht zusammenhängen, erfährst du in unseren Artikeln zur Schlafapnoe bei Übergewicht und zum Schnarchen durch Übergewicht.

Welche Symptome hat ein Hypoventilationssyndrom?

Die Auswirkungen des Hypoventilationssyndroms im Überblick.

Das Hypoventilationssyndrom kann unterschiedliche Auswirkungen im Alltag haben. 

Die Beschwerden entstehen vor allem durch den gestörten Schlaf und den erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut. Typische Hypoventilationssyndrom-Symptome können sein:4

  • Ausgeprägte Tagesmüdigkeit und rasche Erschöpfung
  • Frühmorgendliche Kopfschmerzen
  • Atemnot und Kurzatmigkeit, oft schon bei geringer Belastung (Dyspnoe)
  • Lautes Schnarchen und Atemaussetzer im Schlaf, vor allem wenn gleichzeitig eine schlafbezogene Atmungsstörung wie die obstruktive Schlafapnoe (OSA) besteht
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie gedrückte Stimmung

Gerade die Atemnot bei Belastung wird oft als normal hingenommen. Warum Kurzatmigkeit bei Übergewicht ein ernstzunehmendes Signal sein kann, erfährst du in unserem Beitrag zur Kurzatmigkeit bei Übergewicht.

Ist das Pickwick-Syndrom gefährlich?

Das Adipositas-Hypoventilationssyndrom ist eine ernsthafte Erkrankung, die unbehandelt gefährlich werden kann. Eine Untersuchung zeigt, dass sich eine adipositasbedingte Hypoventilation nach einem Klinikaufenthalt deutlich verschlechtern kann.7 Umso wichtiger ist es, diese Atemstörung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Langfristig kann die dauerhafte Belastung unter anderem zu erhöhtem Druck im Lungenkreislauf und einer Belastung des Herzens führen.7 Weitere mögliche Auswirkungen von starkem Übergewicht findest du in unserer Übersicht zu den Folgen von Adipositas.

Wie wird das Pickwick-Syndrom behandelt?

Der wichtigste erste Schritt ist stets eine ärztliche Abklärung, da die gesicherte Diagnose eine Blutgasanalyse erfordert.3 Im Zentrum der anschließenden Pickwick-Syndrom-Therapie steht die Unterstützung der nächtlichen Atmung durch ein Beatmungsgerät, meist eine Überdruckmaske.4 Bei einer gleichzeitig bestehenden schweren obstruktiven Schlafapnoe kann eine CPAP-Therapie (engl. Continuous Positive Airway Pressure) zum Einsatz kommen. Sie hält die Atemwege offen und verhindert Atemaussetzer. Reicht CPAP nicht aus oder steht die unzureichende Atmung im Vordergrund, kann eine nichtinvasive Beatmung, kurz NIV, die nächtliche Atmung unterstützen. In einer großen Langzeitstudie war CPAP bei dieser Patientengruppe in wichtigen klinischen Endpunkten ähnlich wirksam wie eine NIV.8

Der zweite, ursachenbekämpfende Baustein ist die Gewichtsreduktion, die die Atemmechanik nachhaltig verbessern kann.

Adipositas-Hypoventilationssyndrom: ernst nehmen, aber nicht verzagen

Egal, welcher Begriff verwendet wird: Gemeint ist dieselbe ernsthafte Erkrankung, die den Körper und insbesondere die Atmung stark belastet. Wenn du solche Anzeichen bei dir bemerkst, lass sie unbedingt ärztlich abklären. Gemeinsam mit Expert:innen kannst du dann passende Schritte wie eine Gewichtsreduktion besprechen.

Christine

Mein Name ist Christine

Rund um das Thema Übergewicht und Abnehmen kursieren unzählige Informationen, einiges davon ist richtig, vieles aber auch unvollständig oder schlichtweg falsch. Deshalb ist es mir ein Anliegen, aufzuklären und fundiertes Wissen zu vermitteln.



Weitere Artikel:

Quellen:
  1. Peter, H. (2020). Pickwick-Syndrom. In Enzyklopädie der Schlafmedizin (S. 1–1). Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-54672-3_752-1
  2. Mokhlesi, B., Masa, J. F., Brozek, J. L., Gurubhagavatula, I., Murphy, P. B., Piper, A. J., ... Teodorescu, M. (2019). Evaluation and management of obesity hypoventilation syndrome: An official American Thoracic Society clinical practice guideline. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 200(3), e6-e24. https://doi.org/10.1164/rccm.201905-1071ST (Abgerufen 23. Juli 2026)
  3. Stuck, B. A., Arzt, M., Fietze, I., Galetke, W., Hein, H., Maurer, J. T., ... Wiater, A. (2020). Teil-Aktualisierung S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen (AWMF-Registernummer 063-001). Somnologie, 24(3), 176-208. https://doi.org/10.1007/s11818-020-00257-6 (Abgerufen 23. Juli 2026)
  4. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (2024). S3-Leitlinie: Nichtinvasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz. Version V1.3 vom 17.07.2024. AWMF-Registernummer 020-008. AWMF-Leitlinienregister. (Abgerufen am 4. August 2026)
  5. Sankari, A., Antoine, M. H., & Bollu, P. C. (2025). Obesity-hypoventilation syndrome. In StatPearls. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK542216/ (Abgerufen 23. Juli 2026)
  6. Masa, J. F., Pépin, J.-L., Borel, J.-C., Mokhlesi, B., Murphy, P. B., & Sánchez-Quiroga, M. Á. (2019). Obesity hypoventilation syndrome. European Respiratory Review, 28(151), 180097. https://doi.org/10.1183/16000617.0097-2018 (Abgerufen 23. Juli 2026)
  7. Nowbar, S., Burkart, K. M., Gonzales, R., Fedorowicz, A., Gozansky, W. S., Gaudio, J. C., ... Zwillich, C. W. (2004). Obesity-associated hypoventilation in hospitalized patients: Prevalence, effects, and outcome. The American Journal of Medicine, 116(1), 1-7. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2003.08.022 (Abgerufen 23. Juli 2026)
  8. Masa, J. F., Mokhlesi, B., Benítez, I., Gomez de Terreros, F. J., Sánchez-Quiroga, M. Á., Romero, A., ... Corral, J. (2019). Long-term clinical effectiveness of continuous positive airway pressure therapy versus non-invasive ventilation therapy in patients with obesity hypoventilation syndrome: A multicentre, open-label, randomised controlled trial (Pickwick study). The Lancet, 393(10182), 1721-1732. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32978-7 (Abgerufen 23. Juli 2026)
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