Eine Schilddrüsenunterfunktion macht nicht „automatisch dick“. Zwischen Schilddrüsenhormonen und Körpergewicht besteht zwar ein enger Zusammenhang, denn Schilddrüsenhormone beeinflussen den Grundumsatz, die Wärmeproduktion, den Fett- und Zuckerstoffwechsel, die Nahrungsaufnahme und die Fettverbrennung. Bei einer Unterfunktion laufen diese Prozesse häufig langsamer ab, wodurch ein leicht erhöhtes Gewicht begünstigt werden kann.
Gleichzeitig zeigt die Forschung aber auch, dass der Zusammenhang in die andere Richtung wirken kann. Bei Menschen mit Adipositas sind TSH-Werte – also das Signalhormon aus dem Gehirn, das die Schilddrüse steuert – häufiger leicht erhöht, ohne dass immer eine echte Schilddrüsenunterfunktion dahintersteckt. Als mögliche Erklärung werden unter anderem erhöhte Leptinspiegel, veränderte Entzündungsprozesse im Fettgewebe und eine veränderte Umwandlung von T4 zu T3 diskutiert.9,10 Auch andere Stoffwechselorgane können bei Übergewicht eine Rolle spielen, zum Beispiel die Leber. Deshalb lohnt sich bei anhaltendem Übergewicht auch ein Blick auf die Lebergesundheit. Der Körper scheint dadurch teilweise zu versuchen, den Energieverbrauch zu steigern.
Dass diese Veränderungen oft funktionell sind, zeigt sich auch daran, dass sich erhöhte TSH-Werte nach einer Gewichtsabnahme, zum Beispiel durch eine kalorienreduzierte Ernährung oder bariatrische Operation, teilweise wieder normalisieren können. Deshalb sollte nicht jede Gewichtszunahme automatisch auf die Schilddrüse geschoben werden. Gerade bei Frauen können auch andere hormonelle Veränderungen, etwa eine Gewichtszunahme in den Wechseljahren, eine Rolle spielen. Bei einer echten Unterfunktion kann Levothyroxin den Hormonmangel ausgleichen, die Gewichtsabnahme fällt jedoch meist eher moderat aus. Schilddrüsenhormone sollten daher nicht zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden, wenn keine Unterfunktion vorliegt.11,12