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Mehr Verbindung als gedacht zwischen Schilddrüsenunterfunktion und Gewicht

Hängen Schilddrüsenunterfunktion und Gewicht zusammen? Viele Betroffene bemerken, dass die Waage plötzlich mehr anzeigt, obwohl sie ihre Essgewohnheiten nicht verändert haben. Die kleine, schmetterlingsförmige Hormondrüse unterhalb des Kehlkopfes spielt nämlich eine wichtige Rolle in deinem Stoffwechsel1.

In diesem Artikel erfährst du, warum eine Störung im Bereich der Schilddrüse entstehen kann, wieso eine Diät mit Schilddrüsenunterfunktion oft zur Geduldsprobe wird und wie du trotz Schilddrüsenunterfunktion nachhaltig abnehmen kannst.

Untersuchung bei Schilddrüsenunterfunktion mit Gewichtsproblemen.

Die Diagnostik und ärztliche Unterstützung ist im Zusammenspiel zwischen Schilddrüsenunterfunktion und Gewicht entscheidend.

Was ist die Schilddrüse?

Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) ist als größte Hormondrüse des Körpers für die Produktion unterschiedlicher Schilddrüsenhormone verantwortlich. Das Organ hat die Form eines Schmetterlings, die sich aus zwei Hauptlappen ergibt, die durch eine Gewebebrücke verbunden sind. Sie liegt im Halsbereich direkt unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre.

Durch die Ausschüttung von Hormonen wie Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) fungiert sie als zentraler Regulator im Körper: Sie steuert den Energiestoffwechsel, beeinflusst Herzschlag und Körpertemperatur und spielt eine entscheidende Rolle für das seelische Wohlbefinden sowie das Wachstum2,3,4.

Schilddrüse und Übergewicht: Symptome einer Unterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion können die Beschwerden sehr unterschiedlich ausfallen und sich schleichend entwickeln. Die meisten Patientinnen und Patienten bemerken oftmals gar nichts. Mögliche Beschwerden können jedoch – vor allem bei einer schwereren Unterfunktion – sein: Erschöpfung, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, ein niedriger Puls und vermindertes Schwitzen. Auch depressive Verstimmungen, Gedächtnisstörungen, verlangsamtes Sprechen, brüchige Haare, trockene oder schuppige Haut sowie Schwellungen im Gesicht können auftreten.5,6 Da diese Symptome auch andere Ursachen haben können, ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig. Dabei werden in der Regel die Schilddrüsenwerte im Blut kontrolliert.

Symptome bei Schilddrüsenfunktion wie Gewichtsveränderungen.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion kann das Gewicht eines von zahlreichen möglichen Symptomen sein. Quelle:
https://www.usz.ch/krankheit/schilddruesenunterfunktion/

Wieso ist abnehmen mit einer Schilddrüsenunterfunktion besonders schwierig?

Eine Gewichtszunahme im Zusammenhang mit der Schilddrüse, insbesondere bei einer Hypothyreose (einer krankhaften Unterfunktion mit Hormonmangel), lässt sich nicht allein durch einen „verlangsamten Stoffwechsel“ erklären. Schilddrüsenhormone beeinflussen zentrale Prozesse der Gewichtsregulation, darunter den Grundumsatz, die Thermogenese – also die Produktion von Körperwärme durch Energieverbrennung –, den Appetit sowie den Glukose-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Während eine Hyperthyreose – also eine krankhafte Überfunktion der Schilddrüse – typischerweise mit einem gesteigerten Energieverbrauch, vermehrter Fettmobilisierung und einer Gewichtsabnahme einhergeht, kann eine unbehandelte Hypothyreose mit einer Gewichtszunahme durch einen verminderten Energieverbrauch, erhöhte Cholesterinwerte und reduzierte Fettmobilisierung verbunden sein.7 Wie hoch der tägliche Energieverbrauch ausfällt, hängt jedoch nicht nur von der Schilddrüse ab. Auch der individuelle Grundumsatz und die körperliche Aktivität spielen eine wichtige Rolle.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge der Schilddrüsenhormone im Blut, sondern auch ihre Verfügbarkeit in den einzelnen Zielgeweben. Eine wichtige Rolle spielen hierbei Deiodinasen. Diese Enzyme wandeln das überwiegend inaktive Hormon T4 in das biologisch aktive T3 um oder inaktivieren Schilddrüsenhormone. Dadurch kann die Wirkung der Schilddrüsenhormone je nach Gewebe unterschiedlich ausfallen und Stoffwechselprozesse wie Energieverbrauch, Fettstoffwechsel und Wärmeregulation beeinflussen.8

Auch nach der medikamentösen Normalisierung der Schilddrüsenwerte können Gewichtsprobleme aus anderen Gründen bestehen bleiben. Daher ist bei Übergewicht-Patienten mit Schilddrüsenfunktionsstörungen ein umfassender Behandlungsansatz sinnvoll, der neben der Hormoneinstellung auch Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls weitere therapeutische Optionen berücksichtigt.7

Macht eine Unterfunktion automatisch dick?

Eine Schilddrüsenunterfunktion macht nicht „automatisch dick“. Zwischen Schilddrüsenhormonen und Körpergewicht besteht zwar ein enger Zusammenhang, denn Schilddrüsenhormone beeinflussen den Grundumsatz, die Wärmeproduktion, den Fett- und Zuckerstoffwechsel, die Nahrungsaufnahme und die Fettverbrennung. Bei einer Unterfunktion laufen diese Prozesse häufig langsamer ab, wodurch ein leicht erhöhtes Gewicht begünstigt werden kann.

Gleichzeitig zeigt die Forschung aber auch, dass der Zusammenhang in die andere Richtung wirken kann. Bei Menschen mit Adipositas sind TSH-Werte – also das Signalhormon aus dem Gehirn, das die Schilddrüse steuert – häufiger leicht erhöht, ohne dass immer eine echte Schilddrüsenunterfunktion dahintersteckt. Als mögliche Erklärung werden unter anderem erhöhte Leptinspiegel, veränderte Entzündungsprozesse im Fettgewebe und eine veränderte Umwandlung von T4 zu T3 diskutiert.9,10 Auch andere Stoffwechselorgane können bei Übergewicht eine Rolle spielen, zum Beispiel die Leber. Deshalb lohnt sich bei anhaltendem Übergewicht auch ein Blick auf die Lebergesundheit. Der Körper scheint dadurch teilweise zu versuchen, den Energieverbrauch zu steigern.

Dass diese Veränderungen oft funktionell sind, zeigt sich auch daran, dass sich erhöhte TSH-Werte nach einer Gewichtsabnahme, zum Beispiel durch eine kalorienreduzierte Ernährung oder bariatrische Operation, teilweise wieder normalisieren können. Deshalb sollte nicht jede Gewichtszunahme automatisch auf die Schilddrüse geschoben werden. Gerade bei Frauen können auch andere hormonelle Veränderungen, etwa eine Gewichtszunahme in den Wechseljahren, eine Rolle spielen. Bei einer echten Unterfunktion kann Levothyroxin den Hormonmangel ausgleichen, die Gewichtsabnahme fällt jedoch meist eher moderat aus. Schilddrüsenhormone sollten daher nicht zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden, wenn keine Unterfunktion vorliegt.11,12

Warum nehme ich trotz Tabletten nicht ab?

Bei der Einnahme von Medikamenten bei Schilddrüsenerkrankungen erwarten viele Betroffene, dass das Gewicht automatisch sinkt. Das ist jedoch nicht immer der Fall. L-Thyroxin kann zwar den Stoffwechsel anregen und den Grundumsatz erhöhen, gleichzeitig aber auch das Hungergefühl verstärken. Wenn dadurch mehr gegessen wird, als der Körper verbraucht, kann das Gewicht trotz Tabletten gleichbleiben oder sogar steigen.

Wichtig ist deshalb
: Die Medikation sollte nicht eigenständig verändert werden. Stattdessen ist es sinnvoll, die Schilddrüsenwerte ärztlich kontrollieren zu lassen und die Ernährung an den tatsächlichen Energiebedarf anzupassen. Das gilt ganz allgemein bei der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion – sei es medikamentös mit Thyreostatika oder nach einer Operation beziehungsweise Radiojodtherapie. Das Ziel der hormonellen Substitution ist es, eine sogenannte Euthyreose (vollkommen normale Schilddrüsenwerte) einzustellen. Ist dieser Zustand erreicht, hat die Schilddrüse keinen blockierenden oder verändernden Effekt mehr auf das Gewicht. Da sich in dieser Phase jedoch der zuvor erhöhte Grundumsatz wieder normalisiert, kann es bei Beibehaltung der früheren Essgewohnheiten leichter zu einer Gewichtszunahme kommen.13

Schilddrüsenunterfunktion und Gewicht: die Balance zurückerlangen

Nimmt man bei Schilddrüsenunterfunktion zu? So pauschal wie häufig dargestellt, ist die Antwort nicht. Der Einfluss der Schilddrüse auf Stoffwechsel und das Abnehmen kann unterschiedlich groß sein und mit anderen Faktoren wie Flüssigkeitseinlagerungen und gegebenen Medikamenten zusammenhängen. Es gilt, dass eine Schilddrüsenunterfunktion und Übergewicht Herausforderungen sind, die sich mit der richtigen medizinischen Einstellung und einem achtsamen Lebensstil in den Griff bekommen lassen. So kannst du dein Wohlbefinden Schritt für Schritt zurückgewinnen. Lasse jetzt deine Werte checken und nimm dein Wohlbefinden in die Hand.

Ina

Mein Name ist Ina

Gesundheit ist so viel mehr als nur eine Zahl auf der Waage. Mir ist es wichtig, den Menschen ganzheitlich zu sehen – mit all seinen körperlichen, emotionalen und sozialen Facetten. Ich möchte dabei unterstützen, realistische Wege zu mehr Wohlbefinden zu finden – ohne Druck, sondern mit Empathie, Wissen und einem Blick fürs Wesentliche.



Weitere Artikel:

Quellen
  1. Yavuz, S., Del Prado, S. S. N., & Celi, F. S. (2019). Thyroid hormone action and energy expenditure. Journal of the Endocrine Society, 3(7), 1345–1356. https://doi.org/10.1210/js.2018-00423 (Zugriff am 20.05.2026)
  2. Danforth, E., & Burger, A. (1984). The role of thyroid hormones in the control of energy expenditure. Clinics in Endocrinology and Metabolism, 13(3), 581–595. https://doi.org/10.1016/s0300-595x(84)80039-0 (Zugriff am 20.05.2026)
  3. Cini, G., Carpi, A., Mechanick, J., Cini, L., Camici, M., Galetta, F., Giardino, R., Russo, M., & Iervasi, G. (2009). Thyroid hormones and the cardiovascular system: Pathophysiology and interventions. Biomedicine & Pharmacotherapy, 63(10), 742–753. https://doi.org/10.1016/j.biopha.2009.08.003 (Zugriff am 20.05.2026)
  4. McAninch, E. A., & Bianco, A. C. (2014). Thyroid hormone signaling in energy homeostasis and energy metabolism. Annals of the New York Academy of Sciences, 1311(1), 77–87. https://doi.org/10.1111/nyas.12374 (Zugriff am 20.05.2026)
  5. Ali, S., Memon, S. H., & Baluch, G. H. (2017). A STUDY OF NONSPECIFIC SYMPTOMS IN HYPOTHYROIDISM. EBSCOhost. https://openurl.ebsco.com/EPDB%3Agcd%3A9%3A33250137/detailv2?sid=ebsco%3Aplink%3Ascholar&id=ebsco%3Agcd%3A122537337&crl=c&link_origin=scholar.google.com (Zugriff am 20.05.2026)
  6. Kumar, R., Sitaram, C., & Anusha, K. (2016). Clinical profile of patients with hypothyroidism. MRIMS Journal of Health Sciences, 4(2), 74. https://doi.org/10.4103/2321-7006.302252 (Zugriff am 20.05.2026)
  7. Dharia, A., Desai, D., & Desai, K. (2025). Exploring the link between thyroid disorders and obesity: mechanisms, impacts, and clinical implications. Endocrine Practice, 31(5), 660–667. https://doi.org/10.1016/j.eprac.2025.02.005 (Zugriff am 20.05.2026)
  8. Cicatiello, A. G., Di Girolamo, D., & Dentice, M. (2018). Metabolic effects of the intracellular regulation of thyroid hormone: Old players, new concepts. Frontiers in Endocrinology, 9, 474. https://doi.org/10.3389/fendo.2018.00474 (Zugriff am 20.05.2026)
  9. Dharia, A., Desai, D., & Desai, K. (2025). Exploring the link between thyroid disorders and obesity: mechanisms, impacts, and clinical implications. Endocrine Practice, 31(5), 660–667. https://doi.org/10.1016/j.eprac.2025.02.005 (Zugriff am 20.05.2026)
  10. Biondi, B. (2023). Subclinical Hypothyroidism in Patients with Obesity and Metabolic Syndrome: A Narrative Review. Nutrients, 16(1), 87. https://doi.org/10.3390/nu16010087 (Zugriff am 20.05.2026)
  11. Gajda, S. N., Kuryłowicz, A., Żach, M., Bednarczuk, T., & Wyleżoł, M. (2019). Diagnosis and treatment of thyroid disorders in obese patients — what do we know? Endokrynologia Polska, 70(3), 271–276. https://doi.org/10.5603/ep.a2018.0089 (Zugriff am 20.05.2026)
  12. Sanyal, D., & Raychaudhuri, M. (2016). Hypothyroidism and obesity: An intriguing link. Indian Journal of Endocrinology and Metabolism, 20(4), 554. https://doi.org/10.4103/2230-8210.183454 (Zugriff am 20.05.2026)
  13. Aurangabadkar, G., & Boddu, S. K. (2020). Hypothyroidism and obesity: Is there a bidirectional link? What is the impact on our clinical practice? Thyroid Research and Practice, 17(3), 118. https://doi.org/10.4103/trp.trp_59_20 (Zugriff am 20.05.2026)
  14. Thyroxin-Einnahme kann Gewichtszunahme auslösen: Internisten im Netz. (n.d.). Retrieved May 5, 2026, from https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldungen/aktuell/thyroxin-einnahme-kann-gewichtszunahme-ausloesen.html (Zugriff am 20.05.2026)
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