Die Diagnose des PCOS erfolgt heute standardmäßig nach den modifizierten Rotterdam-Kriterien1. Um die Diagnose im Erwachsenenalter stellen zu können, müssen mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein, nachdem andere relevante Differenzialdiagnosen ausgeschlossen wurden:
- Ovulatorische Dysfunktion: Dies äußert sich durch unregelmäßige Zyklen (Oligomenorrhö) oder das vollständige Ausbleiben des Eisprungs (Anovulation).
- Klinischer und/oder biochemischer Hyperandrogenismus: Ein Überschuss an männlichen Hormonen, der sich entweder im Blut nachweisen lässt (biochemisch) oder durch typische klinische Symptome wie Akne, Haarausfall (Alopezie) und verstärkte Körperbehaarung (Hirsutismus) zeigt.
- Polyzystische Ovarmorphologie (PCOM) und/oder eine hohe AMH-Konzentration: Im Ultraschall (transvaginal) zeigt sich dabei das charakteristische Bild von mehr als 20 Follikeln (jeweils 2–9 mm groß) pro Eierstock und/oder ein vergrößertes Ovarvolumen von über 10 ml.
Hinweis zum Begriff „Zysten“: Bei den namensgebenden „polyzystischen Ovarien“ handelt es sich medizinisch gesehen nicht um krankhafte Gewebehohlräume im klassischen Sinne. Vielmehr sind es viele kleine, im Reifungsprozess stehengebliebene Follikel (Eibläschen), die sich aufgrund des hormonellen Ungleichgewichts nicht bis zum Eisprung weiterentwickeln. Sie ordnen sich häufig wie eine Perlenkette am Rand der Eierstöcke an und verleihen ihnen im Ultraschall das typische Erscheinungsbild.
Entscheidend ist eine frühzeitige und fundierte Diagnose. Für viele Betroffene ist der Weg bis zur Gewissheit lang und oft vergehen Jahre, bis die Symptome richtig gedeutet werden bei manchen Frauen zieht sich diese Unklarheit sogar bis in die Perimenopause hinein, wenn hormonelle Umstellungen die Diagnose zusätzlich verändern oder maskieren können. Eine PCOS-Diagnose sollte nicht leichtfertig gestellt werden, da sie für Frauen oft mit einer hohen psychischen Belastung und Sorgen um die eigene Fruchtbarkeit sowie eine zukünftige Schwangerschaft einhergeht. Umso wichtiger ist eine umfassende Aufklärung, damit Betroffene sich mit der Diagnose nicht allein gelassen fühlen, sondern gezielte Unterstützung erfahren. Mehr zum Thema Schwangerschaft bei Übergewicht erfährst du bei uns.