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PCOS und Übergewicht: Ursachen, Tipps und Wege zum Wunschgewicht

PCOS (inzwischen auch zunehmend als PMOS, also Polymetabolisches Ovarsyndrom, bezeichnet) und Übergewicht können eng miteinander verknüpft sein und für viele Betroffene eine große Herausforderung darstellen. In diesem Artikel erfährst du, wie das PCO-Syndrom und das Gewicht zusammenhängen, welche Rolle die PCOS-Insulinresistenz dabei spielt und mit welchen Strategien du das Abnehmen mit PCOS unterstützen kannst.

Die blaue Schleife ist das internationale Symbol für PCOS. Übergewicht tritt häufig bei der Erkrankung auf.

PCOS: Übergewicht kann als eine von vielen Auswirkungen auftreten.

Was ist PCOS?

Bei PCOS oder dem polycystischen Ovarialsyndrom handelt es sich um eine sogenannte heterogene endokrine Störung. Das bedeutet zum einen, dass das Syndrom klinisch von Frau zu Frau sehr unterschiedliche Symptome zeigen kann. Dennoch gibt es klare Diagnosekriterien, die für die Feststellung der Erkrankung herangezogen werden. Dazu gehören Zyklusstörungen, eine klinisch oder laborchemische Hyperandrogenämie sowie der typische US Befund bzw. ein erhöhter AMH-Wert1.

Zum anderen bedeutet endokrin, dass es sich um eine hormonelle Störung handelt: Bestimmte Botenstoffe des Körpers (Hormone), die normalerweise über das Blut wichtige Funktionen wie den Zyklus, den Stoffwechsel und den Insulinhaushalt steuern – vor allem Androgene (männlichen Hormonen), Insulin und die Steuerungshormone des Zyklus – befinden sich in einem Ungleichgewicht.

Vom PCO-Syndrom ist eine von 15 Frauen weltweit betroffen. Eine übermäßige Produktion oder Aktivität von Androgenen gilt hierbei als Hauptursache. Bei vielen Betroffenen kann es zudem zu einer gestörten Insulinwirkung und darüber hinaus zur Beeinträchtigung weiterer Organsysteme kommen.2

Diagnose von PCOS: das Syndrom erkennen

Die Diagnose des PCOS erfolgt heute standardmäßig nach den modifizierten Rotterdam-Kriterien1. Um die Diagnose im Erwachsenenalter stellen zu können, müssen mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein, nachdem andere relevante Differenzialdiagnosen ausgeschlossen wurden:

  1. Ovulatorische Dysfunktion: Dies äußert sich durch unregelmäßige Zyklen (Oligomenorrhö) oder das vollständige Ausbleiben des Eisprungs (Anovulation).
  2. Klinischer und/oder biochemischer Hyperandrogenismus: Ein Überschuss an männlichen Hormonen, der sich entweder im Blut nachweisen lässt (biochemisch) oder durch typische klinische Symptome wie Akne, Haarausfall (Alopezie) und verstärkte Körperbehaarung (Hirsutismus) zeigt.
  3. Polyzystische Ovarmorphologie (PCOM) und/oder eine hohe AMH-Konzentration: Im Ultraschall (transvaginal) zeigt sich dabei das charakteristische Bild von mehr als 20 Follikeln (jeweils 2–9 mm groß) pro Eierstock und/oder ein vergrößertes Ovarvolumen von über 10 ml.

Hinweis zum Begriff „Zysten“: Bei den namensgebenden „polyzystischen Ovarien“ handelt es sich medizinisch gesehen nicht um krankhafte Gewebehohlräume im klassischen Sinne. Vielmehr sind es viele kleine, im Reifungsprozess stehengebliebene Follikel (Eibläschen), die sich aufgrund des hormonellen Ungleichgewichts nicht bis zum Eisprung weiterentwickeln. Sie ordnen sich häufig wie eine Perlenkette am Rand der Eierstöcke an und verleihen ihnen im Ultraschall das typische Erscheinungsbild.

Entscheidend ist eine frühzeitige und fundierte Diagnose. Für viele Betroffene ist der Weg bis zur Gewissheit lang und oft vergehen Jahre, bis die Symptome richtig gedeutet werden bei manchen Frauen zieht sich diese Unklarheit sogar bis in die Perimenopause hinein, wenn hormonelle Umstellungen die Diagnose zusätzlich verändern oder maskieren können. Eine PCOS-Diagnose sollte nicht leichtfertig gestellt werden, da sie für Frauen oft mit einer hohen psychischen Belastung und Sorgen um die eigene Fruchtbarkeit sowie eine zukünftige Schwangerschaft einhergeht. Umso wichtiger ist eine umfassende Aufklärung, damit Betroffene sich mit der Diagnose nicht allein gelassen fühlen, sondern gezielte Unterstützung erfahren. Mehr zum Thema Schwangerschaft bei Übergewicht erfährst du bei uns.

Was sind mögliche PCOS-Symptome?

Zyklusstörungen sind ein zentraler Teil der Diagnose selbst. Bei diesen Störungen können die monatlichen Blutungen unregelmäßig auftreten oder ganz ausbleiben. In den Leitlinien wird eine Zyklusstörung primär an der Unregelmäßigkeit des Zyklus festgemacht. Konkret bedeutet das: Wenn die Abstände zwischen den Blutungen wiederholt kürzer als 21 Tage oder länger als 35 Tage sind oder wenn insgesamt weniger als acht Zyklen pro Jahr stattfinden, gilt dies als klinische Definition einer Zyklusstörung1.

Außerdem tritt PCOS häufig mit einer Adipositas-Erkrankung auf und kann darüber hinaus Störungen im Blutzuckerstoffwechsel führen. Die metabolischen Veränderungen können mit Bluthochdruck und der Entwicklung eines metabolischen Syndroms einhergehen2.

PCOS: Übergewicht als mögliche Folge von PCOS.

Bei PCOS gehört Übergewicht zu einer ganzen Reihe möglicher Folgen.

Wissenswertes rund um PCOS und Übergewicht

Warum nimmt man mit PCOS zu?

PCO-Syndrom und Gewicht können über ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Faktoren zusammenhängen. Die bei PCOS häufig vorliegende Insulinresistenz nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein, da sie maßgeblich zur Entstehung und zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen kann. In der Wissenschaft wird die Insulinresistenz (die klinisch nicht gut messbar ist) zusammen mit einer Hyperinsulinämie (einem chronisch erhöhten Insulinspiegel im Blut) und der Adipositas als ein Geflecht aus wechselseitigen Abhängigkeiten betrachtet, das eng mit einer Hyperandrogenämie beziehungsweise dem Überschuss an männlichen Hormonen verknüpft sein könnte. Du hast noch Fragen zum Thema Adipositas bei Frauen? Wir klären wichtige Fragen.

Zusätzlich könnten Veränderungen im Steroidhormon-Stoffwechsel – also dem Auf- und Abbau von Hormonen wie Cortisol oder Geschlechtshormonen – sowie eine Hyperleptinämie , ein krankhaft erhöhter Spiegel des Sättigungshormons im Blut, und eine Leptinresistenz, bei der das Gehirn trotz hoher Hormonwerte kein Sättigungsgefühl mehr empfängt, eine entscheidende Rolle spielen und die Gewichtskontrolle erschweren. Auch neuere Ansätze zur Rolle von Glykotoxinen (AGEs – schädlichen Verbindungen aus Zucker und Eiweiß, die durch Erhitzen oder hohen Blutzucker entstehen) deuten darauf hin, dass die Ernährung die Pathophysiologie des Syndroms beeinflussen kann.

Wie kann ich mit PCOS abnehmen?

Zunächst ist wichtig festzuhalten, dass eine Gewichtsabnahme das PCOS positiv beeinflussen kann – und zwar ganz egal, wie diese Gewichtsabnahme am Ende erfolgt.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich in der Praxis das sogenannte SMART-Konzept als hilfreiches Werkzeug bewährt. Mit smarten Zielen abzunehmen, bedeutet, dass Vorhaben Spezifisch formuliert, messbar durch Zahlen, für dich persönlich attraktiv, realistisch erreichbar und zeitlich terminiert sein sollten. Statt vager Vorsätze setzt du dir so klare Meilensteine, die deine Motivation langfristig stärken und den Erfolg objektiv überprüfbar machen können.

Bei Frauen mit Übergewicht wird über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent erreicht.1

Als Bestandteile des Maßnahmenkatalogs bei PCOS kann die Ernährung zum Abnehmen ebenso ein Hebel sein, wie eine medikamentöse Behandlung. Die Gesamtheit der Behandlungsmöglichkeiten kann die Symptome auch unabhängig von Diäten verbessern.

Was essen bei PCO-Syndrom?

Die eine optimale Ernährung für von PCOS betroffene gibt es nicht. Ernährungskonzepte sind so unterschiedlich, wie deine Bedürfnisse. In unserem Diätvergleich stellen wir Ernährungsformen und Diäten gegenüber. Vielleicht kann dir das Intervallfasten mit einer Methode deiner Wahl dabei helfen, mit PCOS Bauchfett zu verlieren oder eines der anderen Ziele zu erreichen. Dabei kannst du dir auch Ernährungsweisen wie die mediterrane Ernährung ansehen, die dir dabei helfen kann, deinen Speiseplan zu gestalten.

Wichtig ist
: Eine Gewichtsabnahme muss nicht allein durch Kalorienverzicht erkämpft werden; eine Kombination aus medizinischer Begleitung, einer nährstoffreichen, ausgewogenen Ernährung und weiteren individuellen Maßnahmen ist oft der nachhaltigste Weg zu mehr Wohlbefinden.

Welche PCOS-Behandlung ist möglich?

Gleich vorweg: PCOS gilt nach derzeitigem Stand nicht als heilbar. Trotzdem kannst du die erwähnten Maßnahmen aus der Lebensstilveränderung einsetzen, um die Gewichtsabnahme zu erreichen.

Da die Ursachen komplex sind, basiert die Behandlung meist auf einer Kombination aus medizinischer Unterstützung und Eigeninitiative:

  • Medikamentöse Unterstützung: Häufig wird ein orales hormonelles Kontrazeptivum (die Pille) verschrieben, um den Zyklus zu regulieren und Hautprobleme sowie Hirsutismus zu lindern1. Besteht eine ausgeprägte Insulinresistenz, kann der Einsatz weiterer Medikamente sinnvoll sein, um den Zuckerstoffwechsel zu verbessern und das Abnehmen zu erleichtern1,3.
  • Ernährung und Entzündungen: Eine entzündungshemmende Ernährung (reich an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien) kann beim Gewichtsmanagement helfen und einen gesünderen Lebensstil unterstützen4.
  • Die psychische Komponente: Viele Betroffene kämpfen mit emotionalem Essen, da die hormonellen Schwankungen Heißhungerattacken und Stimmungstiefs begünstigen können. Eine Verhaltenstherapie oder gezieltes Achtsamkeitstraining können hier oft den entscheidenden Unterschied machen.
  • PCOS bei Normalgewicht: Wichtig zu wissen ist, dass auch Frauen, die von Natur aus schlank sind, ein PCO-Syndrom entwickeln können5.

Mit dem richtigen Wissen gegen PCOS und Übergewicht

PCOS als Krankheit kann „viele Gesichter“ haben. Sei es der Zusammenhang zwischen PCOS und der Insulinresistenz, Adipositas und anderen Faktoren: Wichtig ist, dass du dich nicht über deine Diagnose definierst, sondern lernst, die Signale deines Körpers zu verstehen.

PCOS und Übergewicht sind keine Sackgasse
, sondern ein komplexes Zusammenspiel, auf das du durch eine frühzeitige Diagnose und die richtige Strategie Einfluss nehmen kannst. Ob durch eine gezielte Ernährungsumstellung, Bewegung oder medizinische Begleitung – diese Maßnahmen sollten immer Hand in Hand gehen und kombiniert werden, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen.

Ina

Mein Name ist Christine

Rund um das Thema Übergewicht und Abnehmen kursieren unzählige Informationen – einiges davon ist richtig, vieles aber auch unvollständig oder schlichtweg falsch. Deshalb ist es mir ein Anliegen, aufzuklären und fundiertes Wissen zu vermitteln.



Weitere Artikel:

Quellen
  1. Jaursch-Hancke, C., Reger-Tan, S., Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, Brezinka, C., Stumpfe, F., Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Joisten, C., Waltering, I., Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Hauner, H., Breidenassel, C., Wiegand, S., PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V., Goeckenjan, M., Freis, A., Schwenkhagen, A., Lehmann-Kannt, S., Hoyer-Kuhn, H., Hancke, K., . . . Salomon, C. (2025b). S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit Unterstützung des Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten/Sektion Endokrinologie/Diabetologie (BDI) - Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). In Leitlinie PCOS [Report]. https://register.awmf.org/assets/guidelines/089-004l_S2k_Diagnostik-Therapie-polyzystisches-Ovarsyndrom-PCOS_2025-08.pdf#page7 (Zugriff am 29.05.2026)
  2. Norman, R. J., Dewailly, D., Legro, R. S., & Hickey, T. E. (2007). Polycystic ovary syndrome. The Lancet, 370(9588), 685–697. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(07)61345-2 (Zugriff am 29.05.2026)
  3. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften & NVL-Programm. (2023b). Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes Langfassung Version 3.0. In Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes Langfassung (Version 3.0) [Report]. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-001l_S3_Typ-2-Diabetes_2026-02.pdf (Zugriff am 29.05.2026)
  4. Cowan, S., Lim, S., Alycia, C., Pirotta, S., Thomson, R., Gibson-Helm, M., Blackmore, R., Naderpoor, N., Bennett, C., Ee, C., Rao, V., Mousa, A., Alesi, S. & Moran, L. (2023). Lifestyle management in polycystic ovary syndrome – beyond diet and physical activity. BMC Endocrine Disorders, 23(1), 14. https://doi.org/10.1186/s12902-022-01208-y (Zugriff am 29.05.2026)
  5. Mohapatra, I. & Samantaray, S. R. (2024). BMI and Polycystic Ovary Syndrome: Demographic Trends in Weight and Health. Cureus, 16(3), e55439. https://doi.org/10.7759/cureus.55439 (Zugriff am 29.05.2026)
DE26OB00271