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Gewichtszunahme durch Gallensteine? Wie Gallenblase und Gewicht zusammenhängen

Viele Menschen fragen sich, ob eine ungewollte Gewichtszunahme mit ihrer Gallenblase zusammenhängen könnte oder ob das eigene Körpergewicht die Entstehung von Gallensteinen begünstigt. Der Fachbegriff für das Vorhandensein von Gallensteinen lautet Cholelithiasis. Tatsächlich sind Gallenblase, Gewicht und Fettstoffwechsel auf mehreren Ebenen miteinander verknüpft, auch wenn die Zusammenhänge oft anders verlaufen, als viele zunächst vermuten.

In diesem Artikel erfährst du, wie Übergewicht die Entstehung von Gallensteinen begünstigen kann, welche Symptome Gallensteine verursachen können und warum Frauen häufiger betroffen sind. Außerdem schauen wir uns an, was es mit der oft vermuteten Gewichtszunahme durch Gallensteine auf sich hat, worauf du bei der Ernährung achten kannst, welche Behandlungswege es gibt und warum auch eine schnelle Gewichtsabnahme Gallensteine begünstigen kann.

Zwei Ärzt:innen führen eine Operation durch.

Einen Gewichtszunahme durch Gallensteine kann deren operative Entfernung zur Folge haben.

Können Gallensteine durch Übergewicht entstehen?

Gallensteine sind weit verbreitet: Eine aktuelle Metaanalyse schätzt, dass weltweit rund 6 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit deutlich an.1 In westlichen Ländern ist eine häufige Gallenstein-Ursache zu viel Cholesterin (im Verhältnis zu den Cholesterin lösenden Gallensalzen und Lecithin) in der Gallenflüssigkeit, woraus sogenannte Cholesterinsteine entstehen können.2 Wichtig zu wissen: Die meisten Gallensteine bleiben lange Zeit stumm und verursachen gar keine Beschwerden. Nur ein Teil der Betroffenen entwickelt überhaupt Symptome.3

Zu den anerkannten Risikofaktoren für ein Gallensteinleiden gehören neben weiblichem Geschlecht, höherem Lebensalter und einer genetischen Veranlagung auch Übergewicht und eine sehr schnelle Gewichtsabnahme.4 Viele dieser Faktoren werden in einer klassischen Merkhilfe als die „6 F“ zusammengefasst (aus dem Englischen: female, fat, forty, fertile, fair und family).5 Wie eng der Zusammenhang zwischen Gewicht und Gallensteinen sein kann, zeigt eine aktuelle Auswertung der UK Biobank mit rund 460.000 Teilnehmenden: Im Vergleich zu Normalgewichtigen war das Risiko, Gallensteine zu entwickeln, bei Menschen mit Übergewicht knapp doppelt und bei Menschen mit Adipositas etwa dreimal so hoch. Auch ein größerer Taillenumfang und andere Maße für das Bauchfett waren mit einem erhöhten Gallensteinrisiko verbunden.6 Eine ältere Auswertung der Nurses’ Health Study zeigte, dass Frauen mit einem Body-Mass-Index über 45 ein etwa siebenfach erhöhtes Risiko für ein symptomatisches Gallensteinleiden im Vergleich zu Frauen mit einem BMI unter 24 hatten.7 Welche weiteren gesundheitlichen Auswirkungen mit starkem Übergewicht einhergehen können, zeigt dir unsere Übersicht zu den Adipositas-Folgen.

Auch hormonelle Faktoren spielen eine Rolle: Eine Behandlung mit Östrogenen, etwa im Rahmen einer Hormontherapie nach den Wechseljahren, kann das Risiko für Gallensteine erhöhen.8 Das könnte mit erklären, warum Frauen insgesamt häufiger von Gallensteinen betroffen sind als Männer.1

Warum begünstigt Übergewicht Gallensteine?

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Gallensteinen lässt sich vor allem über den Fett- und Cholesterinstoffwechsel erklären. Bei Adipositas gibt die Leber häufig vermehrt Cholesterin in die Galle ab. Dadurch kann die Gallenflüssigkeit mit Cholesterin übersättigt werden, sodass sich leichter Cholesterinkristalle und in der Folge Gallensteine bilden.9

Hinzu kommt, dass eine bei Übergewicht häufig vorliegende Insulinresistenz die Bildung von Gallensäuren beeinträchtigen und die Entleerung der Gallenblase verlangsamen kann. Auch stille entzündliche Prozesse, die mit dem Fettgewebe in Verbindung stehen, können dazu beitragen, dass sich Gallensteine bilden.10 Gallensteine werden daher oft im Zusammenhang mit ungünstigen Blutfettwerten und einem metabolischen Syndrom betrachtet.

Welche Symptome machen Gallensteine?

Wie bereits erwähnt, verursachen viele Gallensteine über Jahre hinweg keinerlei Beschwerden und werden oft nur zufällig entdeckt, etwa bei einer Ultraschalluntersuchung. Beschwerden entstehen meist erst dann, wenn ein Stein den Abfluss der Galle vorübergehend behindert.2

Typisch ist dann die sogenannte Gallenkolik: krampfartige, anfallsartig auftretende, teils sehr starke Schmerzen im rechten Oberbauch, die in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen können und häufig nach fettreichen Mahlzeiten auftreten (Gallenkoliken).2 Begleitend können Übelkeit, Erbrechen und ein Völlegefühl auftreten. Da Frauen häufiger Gallensteine entwickeln, sind sie auch häufiger von entsprechenden Beschwerden betroffen. Die Beschwerden selbst unterscheiden sich bei Männern und Frauen aber nicht grundsätzlich.1,11

Wichtig zur Einordnung: Kommen zu den Schmerzen Fieber, eine Gelbfärbung von Haut oder Augen (Gelbsucht) oder anhaltendes Erbrechen hinzu, kann das auf eine Komplikation wie eine Entzündung der Gallenblase oder einen Verschluss der Gallenwege hindeuten. In solchen Fällen ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig.

Infografik, die mögliche Symptome wie Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Völlegefühl darstellt.

Können Gallensteine eine schnelle Gewichtszunahme verursachen?

Hier lohnt sich ein genauer Blick, denn die Vorstellung einer direkten Gewichtszunahme durch Gallensteine hält einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Gallensteine selbst gelten nicht als eigenständige Ursache dafür, dass Menschen an Gewicht zunehmen. Der Zusammenhang zwischen Gallensteinen und dem Gewicht verläuft vielmehr überwiegend in die andere Richtung, und er hat vor allem mit Gewichtsveränderungen zu tun.

So ist gut belegt, dass nicht nur Übergewicht selbst, sondern gerade eine sehr schnelle Gewichtsabnahme die Bildung von Gallensteinen begünstigen kann. Bei stark kalorienreduzierten Diäten entwickeln nach Untersuchungen etwa 10 bis 25 Prozent der adipösen Frauen und Männer innerhalb weniger Monate Gallensteine, und rund ein Drittel davon bekommt Beschwerden.12 Nach einer bariatrischen Operation (Adipositaschirurgie) treten Gallensteine ebenfalls besonders häufig auf. Im ersten Jahr wurden – je nach Studie und Art des Eingriffs – Häufigkeiten von rund zehn bis über fünfzig Prozent berichtet.13 Der Grund: Bei rascher Gewichtsabnahme wird vermehrt Cholesterin über die Galle ausgeschieden, während sich die Gallenblase seltener entleert.

Aus diesem Grund empfehlen Fachleute, das Tempo der Gewichtsabnahme möglichst moderat zu halten: als Orientierung gilt oft ein Richtwert von maximal etwa 1,5 Kilogramm pro Woche.10 In bestimmten Situationen mit sehr schneller Gewichtsabnahme kann zudem vorbeugend das Medikament Ursodesoxycholsäure eingesetzt werden, um der Steinbildung entgegenzuwirken.10 Dass Gallensteine beim Abnehmen auftreten können, sollte dich aber nicht entmutigen. Es spricht vielmehr dafür, das Abnehmen ärztlich begleiten zu lassen. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel zur Langzeittherapie bei Adipositas.

Ein zweiter, häufig gemeinter Zusammenhang betrifft die Zeit nach einer Gallenblasenentfernung: Manche Betroffene beobachten, dass sich nach der Operation ihr Gewicht verändert. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine entfernte Gallenblase mit Veränderungen im Fett- und Zuckerstoffwechsel und einem etwas erhöhten Risiko für ein metabolisches Syndrom einhergehen kann.14 Dass eine Entfernung der Gallenblase zu einer Gewichtszunahme führt, ist damit aber nicht belegt. Eher spielen begleitende Faktoren wie verändertes Essverhalten und Stoffwechselvorgänge eine Rolle.

Was sollte man bei Gallensteinen essen?

Eine spezielle „Gallensteine-Ernährung“, die vorhandene Steine zuverlässig auflöst, gibt es nicht. Bei der Ernährung geht es daher vor allem darum, Beschwerden möglichst vorzubeugen. Sehr große, fettreiche Mahlzeiten können eine Gallenkolik auslösen und werden daher oft schlechter vertragen, während regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten sinnvoll sein können. Längere Hungerphasen begünstigen eher, dass sich die Gallenblase seltener entleert und die Galle länger darin verbleibt.

Grundsätzlich gelten die Empfehlungen einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung mit einem geringen Anteil an gesättigten Fetten.15 Wer abnehmen möchte, sollte dies, wie oben beschrieben, eher langsam und begleitet angehen, statt auf radikale Crash-Diäten zu setzen.

Bei der Gallensteine-Behandlung selbst richtet sich das Vorgehen danach, ob die Steine Beschwerden verursachen: Stumme, zufällig entdeckte Gallensteine müssen in der Regel nicht behandelt werden. Kommt es dagegen zu Koliken oder Komplikationen, gilt die operative Entfernung der Gallenblase als Standardbehandlung.8 Welche weiteren Bausteine eine umfassende Adipositas-Behandlung umfassen kann, erfährst du in unserem Ratgeber.

Gallensteine und Gewicht: dein Weg zu mehr Wohlbefinden

Ob es um die Frage geht, ob Gallensteine durch Übergewicht entstehen, oder um die vermutete Gewichtszunahme durch Gallensteine: Der wichtigste Gedanke ist, dass dein Körper hier keinem unerklärlichen Mechanismus folgt, sondern nachvollziehbaren stoffwechselbedingten Zusammenhängen. Weder Übergewicht noch Gallensteine sind ein Zeichen mangelnder Disziplin. Mit einer ausgewogenen Ernährung, einer ruhigen, begleiteten Herangehensweise ans Abnehmen und einem aufmerksamen Blick auf Warnzeichen kannst du deinen Körper unterstützen und dein Wohlbefinden steigern.

 

Ina

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Gesundheit ist so viel mehr als nur eine Zahl auf der Waage. Mir ist es wichtig, den Menschen ganzheitlich zu sehen – mit all seinen körperlichen, emotionalen und sozialen Facetten. Ich möchte dabei unterstützen, realistische Wege zu mehr Wohlbefinden zu finden – ohne Druck, sondern mit Empathie, Wissen und einem Blick fürs Wesentliche.



Weitere Artikel:

Quellen:
  1. Wang, X., Yu, W., Jiang, G., Li, H., Li, S., Xie, L., …., Mao, M. (2024) Global epidemiology of gallstones in the 21st century: A systematic review and meta-analysis. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 22(8), 1586-1595. https://www.cghjournal.org/article/S1542-3565(24)00205-2/fulltext (Abgerufen 21. Juli 2026)
  2. Cholelithiasis—Hepatology. (o. J.). Merck Manual Professional Edition. Abgerufen 20. August 2026, von https://www.merckmanuals.com/professional/hepatic-and-biliary-disorders/gallbladder-and-bile-duct-disorders/cholelithiasis
  3. Jones, M. W., Weir, C. B., & Marietta, M.. (2026). Gallstones (Cholelithiasis). In StatPearls. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459370/ (Abgerufen 05. August 2026)
  4. Stinton, L. M., & Shaffer, E. A. (2012). Epidemiology of Gallbladder Disease: Cholelithiasis and Cancer. Gut Liver, 6(2), 172–187. https://doi.org/10.5009/gnl.2012.6.2.172
  5. Bass, G., Gilani, S., & Walsh, T. (2012). The" 6 Fs" of symptomatic cholelithiasis: A clinical validation of epidemiologically-derived historical predictors. 147–147.
  6. Zhou, J., Yu, W., Jiang, G., Li, H., Luo, J., Li, S., et al. (2025). Risk of gallstones increases with multiple dimensions of obesity indexes: A prospective study based on the UK Biobank. Obesity Facts, 18, 335–347. https://doi.org/10.1159/000545346 (Abgerufen 5. August 2026)
  7. Stampfer, M. J., Maclure, K. M., Colditz, G. A., Manson, J. E., & Willett, W. C. (1992). Risk of symptomatic gallstones in women with severe obesity. The American Journal of Clinical Nutrition, 55(3), 652-658. https://doi.org/10.1093/ajcn/55.3.652 (Abgerufen 21. Juli 2026)
  8. Wang, S., Wang, Y., Xu, J., & Chen, Y. (2017). Is the oral contraceptive or hormone replacement therapy a risk factor for cholelithiasis: A systematic review and meta-analysis. Medicine, 96(14), e6556. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000006556 (Abgerufen 5. August 2026)
  9. Wang, K., Liu, Z., Tang, R., Sha, Y., Wang, Z., Chen, Y., & Chen, G. (2025). Gallstones in the Era of Metabolic Syndrome: Pathophysiology, Risk Prediction, and Management. Cureus, 17(3), e80541. https://doi.org/10.7759/cureus.80541 (Abgerufen 21. Juli 2026)
  10. Parra-Landazury, N. M., Córdova-Gallardo, J., & Méndez-Sánchez, N. (2021). Obesity and gallstones. Visceral Medicine, 37(5), 394–402. https://doi.org/10.1159/000515545 (Abgerufen 05. August 2026)
  11. Patel, H. & Jepsen, J. (2024). Gallstone Disease: Common Questions and Answers. American Family Physician, 109(6), 518-524. https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2024/0600/gallstone-disease.html (Abgerufen 21. Juli 2026)
  12. Everhart, J. E. (1993). Contributions of obesity and weight loss to gallstone disease. Annals of Internal Medicine, 119(10), 1029-1035. https://doi.org/10.7326/0003-4819-119-10-199311150-00010 (Abgerufen 21. Juli 2026)
  13. Chen, S., Zheng, Y., Cai, J., Wu, Y., & Chen, X. (2025). Gallstones after bariatric surgery: mechanisms and prophylaxis. Frontiers in Surgery, 12,1506780. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11966458/ (Abgerufen 21. Juli 2026)
  14. Chen, Y., Wu, S., Tian, Y. (2018). Cholecystectomy as a risk factor of metabolic syndrome: from epidemiologic clues to biochemical mechanisms. Laboratory Investigation. 98(1), 7-14. https://www.nature.com/articles/labinvest201795 (Abgerufen 21. Juli 2026)
  15. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK). (2017). Eating, Diet, & Nutrition for Gallstones. https://www.niddk.nih.gov/health-information/digestive-diseases/gallstones/eating-diet-nutrition (Abgerufen 5. August 2026)
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